Weil der Vater in der AfD aktiv ist, lehnte eine Berliner Waldorfschule ein Kind ab. Schnell hieß es, die Schulleitung diskriminiere ein Kind, das nicht für seine Eltern verantwortlich sei. Doch warum schicken Eltern ihre Kinder überhaupt auf private Schulen? Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was sind die üblichen Aufnahmeverfahren an staatlichen Grundschulen?

Grundsätzlich hat jedes Kind ein Recht auf Bildung an öffentlichen Schulen. In manchen Bundesländern regelt eine zentrale Schulbehörde, wie Kinder aufgenommen werden sollen, in anderen dürfen die Schulen den Prozess selbst gestalten.

Meistens hat jedes Kind das Recht, an einer Grundschule in Wohnortnähe angenommen zu werden. Reichen die Grundschulplätze nicht aus, zum Beispiel in kinderreichen Bezirken von Großstädten, müssen die Kinder auf weiter entfernte Schulen ausweichen. Ansonsten nehmen Schulen bevorzugt Kinder auf, die ältere Geschwister an der Schule haben, und die Schulen achten auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis.

Vor der Einschulung finden zudem verpflichtende schulärztliche Untersuchungen statt, die je nach Ergebnis eine Einschulung verzögern können. In einigen Bundesländern gibt es zusätzlich Sprachtests.

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Welche Aufnahmeverfahren gibt es an weiterführenden Schulen?

An vielen weiterführenden Schulen gilt wie in den Grundschulen der sogenannte Schulsprengel, ein Einzugsgebiet in der Nähe der Schule. Wer näher wohnt, bekommt eher einen Platz. In einigen Bundesländern gilt das Sprengelprinzip allerdings nicht oder nur eingeschränkt. In Berlin etwa suchen die Eltern selbst eine weiterführende Schule aus, je nach Schwerpunkt.

Die Gymnasien wählen dann die Kinder nach Notendurchschnitt oder besonderen Fähigkeiten aus. Musikgymnasien etwa setzen voraus, dass das Kind ein Instrument spielt oder eine besondere musikalische Begabung hat. An staatlichen Internationalen Schulen gibt es Sprachtests.

Die Gymnasialempfehlung spielt eine unterschiedlich große Rolle. In einigen Bundesländern beraten Gymnasien die Eltern, in anderen Ländern müssen Eltern bereits eine Gymnasialempfehlung von der Grundschule vorweisen. Andernfalls lehnen die Gymnasien die Kinder ab.

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Welche Privatschulen sind besonders beliebt?

Besonders beliebt sind die konfessionellen Schulen. Die katholische und die evangelische Kirche betreiben rund 2.000 Schulen, also mehr als die Hälfte der 3.600 allgemeinbildenden Privatschulen. Es folgen Schulen mit besonderen ganzheitlichen Lernkonzepten, wie die 250 Waldorfschulen und die rund 400 Montessorischulen. Darüber hinaus gibt es etwa 170 Internationale Schulen, die zum großen Teil privat betrieben werden. Ihre Lehrpläne richten sich oft nach denen anderer Länder. Viele bieten einen international anerkannten Abschluss an, das International Baccalaureate.

Insgesamt wachsen Privatschulen, zeigt eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Seit 1992 hat sich die Zahl ihrer Schülerinnen und Schüler verdoppelt. Ein besonderes Wachstum erfuhren Privatschulen in neuen Bundesländern, in denen es bis zur Wende gar keine privaten Schulen gab, und auf dem Land, wo viele öffentliche Schulen schließen. Auch in Großstadtvierteln, wo Internationale Schulen eine kleine Elite ansprechen, werden Privatschulen beliebter. Insgesamt besuchen neun Prozent aller Schülerinnen und Schüler eine Privatschule.

Privatschüler kommen im Schnitt eher aus gebildeten und wohlhabenden Elternhäusern. Im Osten Deutschlands besuchen 23 Prozent der Akademikerkinder eine private Schule, aber nur vier Prozent der Arbeiterkinder. Auch Kinder aus eingewanderten Familien gehen deutlich seltener auf Privatschulen. Denn Privatschulen kosten: Für einige Internationale Schulen zahlen wohlhabende Eltern über 1.000 Euro im Monat. Die meisten Privatschulen in Deutschland werden aber zu einem großen Teil staatlich finanziert. Der Elternbeitrag liegt dann zwischen 50 und 200 Euro pro Monat. 

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Wie sehen Aufnahmeverfahren für Privatschulen aus?

In vielen Privatschulen stehen vor allem in Großstädten weniger Plätze zur Verfügung, als es Bewerberinnen und Bewerber gibt, sodass sie allein aus Platzmangel Kinder ablehnen müssen. So war es auch in der Waldorfschule, die den Sohn eines AfD-Politikers abgelehnt hatte. Auf 30 Plätze kamen dort 140 Bewerber.

Zunächst gelten für die Aufnahme ähnliche Regeln wie an staatlichen Schulen: Vorzug für Geschwister- und Nachbarschaftskinder und eine ausgeglichene Zahl von Mädchen und Jungen. Darüber hinaus haben Privatschulen das Recht, eigene Aufnahmekriterien anzuwenden. Zum Beispiel nehmen Privatschulen bevorzugt Kinder auf, die schon eine dazugehörende Kita besucht haben, katholische Schulen nehmen bevorzugt katholisch getaufte Kinder auf und Internationale Schulen Muttersprachler.

Einige Privatschulen verpflichten Eltern auch zu Aufnahmegesprächen oder Einführungsabenden. Damit wollen die Schulen sichergehen, dass die Eltern mit dem Leitbild, den pädagogischen Ideen oder der Methodik vertraut und einverstanden sind. In konfessionellen Schulen müssen die Kinder sich zum Beispiel am Religionsunterricht und an der Morgenandacht beteiligen. Am Ende entscheidet manchmal das Los.

Rechtlich ist die Sonderbehandlung zulässig: Das Berliner Schulgesetz sieht zwar zum Beispiel ein Recht auf Bildung und Erziehung für alle Kinder vor – der Paragraf gilt aber nicht für die Privat- oder Ersatzschulen, wie die die gleichen Abschlüsse anbieten, auch genannt werden. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gilt nur insofern, dass Schülerinnen und Schüler auf Privatschulen kein Abitur erhalten können, wenn sie auf öffentlichen Schulen auch keines erhalten hätten. 

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Was sehen die Aufnahmekriterien in Waldorfschulen vor?

Waldorfschulen wollen explizit ihre Schülerinnen und Schüler nicht auslesen und diskriminieren. Ethnische, nationale oder soziale Herkunft, Geschlecht, Sprache, Religion, politische oder sonstige Überzeugungen sollen keine Rolle spielen, heißt es im Programm. Eine Solidargemeinschaft der Eltern soll dafür sorgen, dass alle sich die Schule leisten können.

Dass der Sohn eines AfD-Politikers abgelehnt wurde, sorgte entsprechend für Streit. Hätte das Kind eigentlich bevorzugt werden müssen, weil es schon einen Waldorfkindergarten besucht hatte? Der Verband Deutscher Privatschulen stellte sich hinter die Waldorfschule. Es gebe aber keine Aufnahmepflicht, sagte Verbandsgeschäftsführer Volker Symalla dem Sender RBB. Jede Schule könne frei darüber bestimmen, wen sie aufnehmen möchte. Die politischen Ansichten der Eltern sollten normalerweise bei der Entscheidung jedoch keine Rolle spielen.

Henning Kullak-Ublick, Vorstandssprecher im Bund der Freien Waldorfschulen, hält die Ablehnung persönlich für falsch. Er möchte die Entscheidung zum Anlass nehmen, über die Aufnahmekriterien in solchen Fällen in den entsprechenden Gremien noch einmal zu diskutieren. "Waldorfschulen stehen grundsätzlich allen Kindern offen", sagte Kullak-Ublick. Generell richteten sich die Auswahlkriterien aber vor allem nach pädagogischen Grundsätzen: die soziale Mischung sollte stimmen, verschiedene Begabungen vorkommen.

Es gebe auch keine Bekenntnisse irgendwelcher Art, die den Eltern abverlangt werden. Es sei aber wichtig, dass die Eltern ihre Entscheidung für die Waldorfschule bewusst und aus einer grundlegenden Kenntnis der Methoden und Ziele der Waldorfschule treffen. Deshalb gebe es Elternabende und individuelle Gespräche.  

Es gebe an den Waldorfschulen eine hohe Sensibilität für alle Formen des Rassismus, von dem sie sich klar abgrenzten und das auch im Unterricht thematisierten. Die politischen Überzeugungen der Eltern stünden nicht zur Debatte. Nur in äußerst seltenen, gut begründeten Einzelfällen käme es zum Ausschluss der Eltern, beispielsweise bei versuchter Indoktrination der Schülerinnen und Schüler..

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