Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat eine Studie zur Bildungsbeteiligung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen vorgelegt. Daraus geht hervor: Ein Großteil der geflüchteten Kinder im schulpflichtigen Alter besucht eine allgemeinbildende oder eine Berufsschule. Der Schritt in die Sekundarstufe gelinge vor allem Jugendlichen aus Syrien gut.

Die Untersuchung bezieht sich auf eine Reihe von Daten aus dem zweiten Halbjahr 2016. Um die sogenannte Bildungsbeteiligung zu ermitteln, wurde unter anderem die Situation von Geflüchteten mit der von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund verglichen.

Das Ergebnis zeige vor allem: In vielen Fällen sei die Beteiligung am Bildungssystem bereits nach kurzer Aufenthaltsdauer weitestgehend geglückt. Unterschiede zu Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund zeigten sich besonders in den oberen Altersgruppen und im Sekundarschulbereich: Flüchtlingskinder im Alter zwischen elf und 14 Jahren besuchten im Vergleich zu anderen Gleichaltrigen häufiger noch die Grundschule. Geflüchtete Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren gingen seltener an eine allgemeinbildende Schule als die Vergleichsgruppe. Insgesamt hätten 2016 jedoch rund drei Viertel der geflüchteten Kinder eine solche Schule besucht.

Gemeinsamkeiten in deutschen und syrischen Bildungssystem

Kinder mit Fluchthintergrund seien seltener an einer Realschule oder einem Gymnasium als Schülerinnen und Schüler mit oder ohne Migrationshintergrund. Häufiger besuchten sie eine Hauptschule oder eine andere Bildungsstätte, wie die Berufsschule. 16 Prozent der geflüchteten Jugendlichen hätten sich zum Untersuchungszeitpunkt in einer Berufsausbildung oder an einer Berufsschule befunden.

Den Übertritt in die Sekundarstufe schafften der Studie zufolge Kinder und Jugendliche aus Syrien besonders gut. Eine mögliche Erklärung dafür liege in den großen Gemeinsamkeiten des deutschen und des syrischen Bildungssystems. Den schlechtesten Wert erzielten Kinder aus Ost- und Südosteuropa. Für diese Schlechterstellung werden in der Studie mehrere mögliche Ursachen angeführt: Zum einen habe die Gruppe der Geflüchteten aus Osteuropa eine schlechtere Bleibeperspektive in Deutschland. Zum anderen unterscheide sich auch das zugrunde liegende Bildungsniveau bei der Einreise deutlich von Gleichaltrigen ohne Zuwanderungshintergrund oder auch syrischen Schülerinnen und Schülern.

Mädchen haben es leichter als Jungen

Einige Faktoren erleichterten Schülerinnen und Schülern den Einstieg in das deutsche Bildungssystem signifikant. Positiv wirke sich ein mittleres oder hohes Bildungsniveau der Eltern aus. Ebenso habe die Unterbringung in einer privaten Unterkunft einen spürbaren Effekt auf eine bessere Bildungsbeteiligung. Außerdem haben Mädchen der Studie zufolge bessere Chancen als Jungen.

Nachteilig für einen geflüchteten Schüler oder eine Schülerin wirke es sich dagegen aus, häufig die Unterkunft zu wechseln. Auch der Besuch einer Vorbereitungsklasse erleichtere den Einstieg ins Bildungssystem nicht. Ein höheres Einreisealter wirke sich erschwerend aus.

Grundsätzlich müssten geflüchtete Kindern und Jugendlichen für eine erfolgreiche Bildungskarriere einige Barrieren überwinden. Eine unterbrochene oder unvollständige Bildungsbiografie erschwere den Einstieg ebenso wie familiäre und psychische Belastungen. Fehlende Deutschkenntnisse oder aber mangelnde Ressourcen ließen geflüchtete Minderjährige hinter Kinder und Jugendliche mit oder ohne Migrationshintergrund im Bildungssystem zurückfallen.