Die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die durch die Abiturprüfung fallen, ist bundesweit angestiegen. Das geht aus einer Erhebung der Deutschen Presse-Agentur hervor. Seit neun Jahren nehme der Anteil fast stetig zu: Von 26 Schülern habe zuletzt durchschnittlich einer das Abitur nicht bestanden.   

2017 fielen laut einer Statistik der Kultusministerkonferenz etwa 3,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler durch die Prüfung, 2009 waren es noch rund 2,4 Prozent. Diese Tendenz lasse sich auch für das Jahr 2018 erkennen, konkrete Zahlen allerdings lägen noch nicht vor. Im innerdeutschen Vergleich sei die Quote der Durchgefallenen in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten: Jede und jeder Vierzehnte sei dort an der Abschlussprüfung gescheitert.

Zugleich zeigen die Zahlen eine gegenläufige Entwicklung: Immer häufiger werde in der Abiturprüfung die Note 1,0 vergeben. 2017 habe beinahe ein Viertel der Abiturienten mit einem Einserergebnis abgeschlossen. Zusammenfassend könne festgehalten werden: Sowohl die sehr schlechten als auch die sehr guten Leistungen nähmen zu, die Abinoten würden extremer.

"Die Schere öffnet sich immer weiter"

Nach Ansicht von Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung, zeigt diese Erkenntnis: Der Bildungserfolg eines Kindes hängt von seinem Elternhaus ab. "Die Schere öffnet sich immer weiter", sagte Beckmann. Für manche Kinder seien die Eltern in der Lage, notwendige Förderung und Unterstützung privat zu organisieren. Andere fielen "durch den Rost".

Die Vorsitzende des Philologenverbands, Susanne Lin-Klitzing, hält dagegen die Konzeption der Abiturprüfung für mangelhaft: "Im Abitur zeigt sich die Frucht von kontinuierlichem Lernen und kontinuierlichem Leisten – im Positiven wie im Negativen." Während der Schulzeit müssten Schüler diese Kontinuität aber kaum mehr beweisen. Schlechte Leistungen in einem Fach ließen sich durch Erfolge in anderen ausgleichen. In der Abiturprüfung sei das nicht mehr möglich. Auch Regelungen, wonach nicht alle belegten Kurse für die Abschlussnote relevant sind, ermutigen Schülerinnen und Schüler nach Einschätzung von Lin-Klitzing nicht dazu, stets ihre beste Leistung zu bringen.