Wenn Lehrer und Lehrerinnen ihrer Schule Noten geben müssten, dann fiele das Digitalzeugnis mehr als mittelmäßig aus: Nicht genügend Geräte, keine aktuelle Software, schlechte technische Voraussetzungen insgesamt, mangelnde eigene Kompetenz. Das zeigt eine aktuelle Studie, die der IT-Branchenverband Bitkom in Auftrag gegeben hat. Gegen dieses entmutigende Bild steht eine andere, hoffnungsvollere Größe: 54 Prozent der Befragten sagen, dass sie gern häufiger digitale Medien einsetzen würden. Wenn sie nur könnten. 

Im Ernst? Die anderen sind schuld? Spätestens ab der siebten Klasse bringt doch mittlerweile jeder Schüler ein Smartphone mit in die Schule – durch alle Schichten hindurch. Doch das darf auf keinen Fall zum digitalen Lernen benutzt werden. Kaum einer der 500 befragten Lehrenden der Studie sprach sich dafür aus, 90 Prozent sind sogar explizit dagegen. Und nur jeder fünfte Lehrer nutzt Lern-Apps oder Lernsoftware wie beispielsweise Scoyo oder GeoGebra im Unterricht.  

Viele Lehrer und Lehrerinnen misstrauen dem digitalen Lernen. Es beeinträchtige die Schreibfertigkeiten der Schüler (86 Prozent), es verleite sie dazu, Informationen aus dem Internet zu kopieren (77 Prozent), es störe die Konzentration (57 Prozent). Man fragt sich, woher die Lehrer das wissen wollen, wenn sie kaum digitale Medien nutzen.

Debattieren - »Sollen Handys in der Schule generell erlaubt werden?« Jugendliche kommen in den Medien selten zu Wort – sogar wenn sie selbst betroffen sind. Im Video debattieren Schülerinnen und Absolventen des Hamburger Gymnasium Altona. © Foto: Sven Wolters

Lehrer sind verunsichert

Warum ist an deutschen Schulen eigentlich immer noch die Beleuchtung die am häufigsten genutzte Technik? Nur ganz wenige Lehrer dürften doch so digitalfeindlich sein, dass sie noch nicht mal ein intuitives Smartphone bedienen können. Und gegen die skeptischen Antworten stehen wiederum Aussagen wie die: "Die Schüler sind durch digitale Medien motivierter." Dem stimmten 88 Prozent zu. Die Schülerinnen wären also so weit. Aber die Lehrer?   

Die Antwort darauf gibt die Studie der Bitkom implizit selbst: Es herrscht große Unsicherheit, mutmaßlich sogar Angst. Woran das liegt, verrät die Studie leider nicht. Dabei wäre gerade das eine interessante Frage. Werden die Lehrer daran gehindert, bessere digitale Bildung zu vermitteln, weil sie Angst vor dem Aufstand der Eltern haben, die vielleicht befürchten, dass ihre Kinder ihre Daten fröhlich im Netz verteilen? Oder wegen des gängigen Vorurteils, dass alles, was auf dem Smartphone passiert, nur Spaß und Daddeln ist? Oder weil sie schlicht nicht wissen, was sie tun sollen?   

Für Letzteres spricht, dass über 84 Prozent der befragten Lehrer sich Weiterbildungen zu Digitalthemen wünschen. 78 Prozent wünschen sich sogar, zu regelmäßigen Fortbildungen verpflichtet zu werden. Lehrer wollen also gezwungen werden, sich mit digitaler Bildung zu beschäftigen.  

Es gehört zu den Aufgaben der Schulen, Schüler auf das Leben vorzubereiten. Längst aber kann man die digitale Welt nicht mehr von der analogen Welt trennen. Auch wer nicht in einem klassisch technischen Beruf arbeiten wird, muss heute mit Computern und Tablets umgehen können und auch mit all den negativen Dingen, die sie mit sich bringen. Wie Datenmissbrauch, Fake-News, Cybermobbing. Aber auch mit all den Chancen, die sich durch sie ergeben. Über diese Chancen müssen Lehrer mehr erfahren. Aber diese Initiative kann durchaus auch von ihnen selber kommen. 

Letztendlich zeigt diese Studie der Bitkom etwas, was wir ohnehin schon wissen: Deutschland hängt beim digitalen Lernen hinterher. Gut ist es, zu erfahren, dass viele Lehrer das als Manko empfinden, an dem sie gerne etwas ändern würden. Noch besser wäre es, wenn sich jetzt alle gemeinsam mit großer Lust am Thema auf den Weg machen würden.