Der Mangel an grundlegend in ihrem Beruf ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern, zu viele unqualifizierte Seiteneinsteiger und eine immer größere Arbeitsbelastung: Für die Schulen in Deutschland sind das den Schulleitern zufolge zentrale Probleme. Das geht aus einer repräsentativen Befragung hervor, die das Institut Forsa für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) durchgeführt hat. Demnach haben sich die Probleme seit der Vorjahresstudie kaum verändert, teils sogar verschlechtert.

In der Befragung nennen 55 Prozent der mehr als 1.200 befragten Schulleiter den Lehrermangel als größtes Problem an ihrer Schule. Im Vorjahr waren es noch 57 Prozent gewesen. An den Schulen ist demnach im Schnitt jede neunte Lehrerstelle nicht besetzt. Auf Platz zwei der Problemskala folgen Inklusion und Integration. Gut jeder vierte Schulrektor oder -direktor sagte, diese beiden Themen seien unter den größten Problemen der Schule. Platz drei belegen Arbeitsbelastung und Zeitmangel mit 18 Prozent. Mehrfachnennungen waren möglich.

45 Prozent der Befragten geben an, dass bei ihnen Seiteneinsteiger ohne Lehramtsqualifikation unterrichten. Das sind deutlich mehr als vor einem Jahr (37 Prozent). In zwei Drittel der Schulen sind Seiteneinsteiger beschäftigt, die vor ihrem ersten Unterrichtseinsatz keine systematische, pädagogische Vorqualifikation erhalten haben.

Der VBE verwies anlässlich der Präsentation der Zahlen auf Studien, die zeigten, dass Seiteneinsteiger "überproportional häufig in Schulen in schwierigen sozialen Lagen eingesetzt werden". VBE-Chef Udo Beckmann warnte vor einer "Abwärtsspirale". Vor allem für Kinder aus schwierigem Milieu, die auf professionelle Lehrer mit viel pädagogischem Geschick angewiesen seien, sei die Entwicklung schlecht.

Fast alle mögen ihren Beruf

Als größte Belastungsfaktoren in ihrem persönlichen Berufsalltag nennen die Schulleiterinnen und Schulleiter – wie schon in der ersten Studie im Vorjahr – das stetig wachsende Aufgabenspektrum, zunehmende Verwaltungsaufgaben, praxisferne Entscheidungen der Politik. Die Gesamtbewertung der deutschen Schulpolitik ergibt laut VBE eine Schulnote von Vier plus (3,7). Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine minimale Verbesserung um ein Zehntel.

Jeder achte Schulleiter hat generell ein Problem mit dem Verhalten seiner Schüler. Geklagt wird über Defizite bei Disziplin und Lernwillen sowie über Verhaltensauffälligkeiten. Das Thema Gewalt nennt hingegen nur einer von 100 Befragten.

Gut jeder dritte der Befragten gab an, dass die Zahl der Lehrkräfte, die aufgrund psychischer Erkrankungen ausfielen, in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Die meisten registrierten allerdings keine Veränderung.

Mehr als jeder fünfte Schulleiter würde seinen Beruf "auf keinen Fall" oder "wahrscheinlich nicht" weiterempfehlen. Etwa genauso viele würden das aber "auf jeden Fall" tun. Jeder Zweite beantwortete die Frage nach der Berufsempfehlung mit "wahrscheinlich". Trotz allem sagen fast alle der Befragten, sie übten ihren Beruf sehr gern oder eher gern aus. Vor allem von ihren Kollegen fühlen sie sich unterstützt. Vom Schulministerium sagt das nur jeder Zehnte.