Die Zukunft des Lernens sind die Serious Games. Davon ist man beim Cologne Game Lab überzeugt. Das Serious Game ist eine konsequentere Umsetzung des Spielerischen. Nicht im gamifizierten Lernportal mit klassischen Textaufgaben, bei deren Lösung man Punkte bekommt, sondern im Computerspiel, bei dem man durch das Spiel selbst lernt. 

Zum Beispiel so: Der User muss aus Bausteinen ein Fahrzeug bauen, das einen Hindernislauf bewältigen muss. Macht er es falsch, ist das Feedback sehr plastisch: Das Fahrzeug fällt an irgendeinem Hindernis zusammen oder es schafft die Steigung nicht. Hier fördert das Spiel die Auseinandersetzung mit einem physikalischen Prozess. 

Das Cologne Game Lab gehört zur TH Köln, hier kann man Games auf Bachelor oder Master studieren. Eines der erfolgreichsten Spiele aus dem Lab ist aktuell Antura and the Letters, ein Spiel, mit dem man Arabisch lernen kann. Es wurde entwickelt für Flüchtlingskinder zwischen fünf und zehn Jahren, damit sie ihre Muttersprache lernen. Gespielt werden kann per App auf dem Smartphone oder auf dem Computer. Die TH Köln betreibt auch die Plattform Digitale Spielewelten, die darüber informiert, welche Spiele es gibt und wie man sie einsetzen kann.

Verschiedene Bereiche in den Kontext setzen, das sei eine der "wichtigsten und schönsten Sachen, die Spiele machen können", sagt die Entwicklerin und Wissenschaftlerin Carmen Johann, die am Cologne Game Lab lehrt. Bislang hat sie vor allem für Auszubildende Games entwickelt, denn die Bildungsbranche sei noch eher zögerlich, was den Kontakt zum Game Lab angehe. "Games stehen immer noch oft in dem Ruf, dass man damit nur seine Zeit vergeudet, man süchtig wird oder auch noch aggressiv."  

Wofür lernt mein Kind?

Noch tendiere die Branche dazu, spielerisch zu sein, und schrecke vor dem tatsächlichen Spiel zurück. "Da kommt eine Trickfilmprinzessin und präsentiert ein Problem, aber letztendlich muss man dann doch wieder Matheaufgaben lösen, genau wie im Schulbuch. Wenn du die richtige Lösung hast, dann kriegst du einen Punkt und kaufst ein T-Shirt für den Avatar", sagt auch Johanns Kollege Roland Klemke, der Games wissenschaftlich untersucht. Beide können verstehen, dass Eltern solche Übungsspiele für ihre Kinder kaufen, denn schließlich lernten sie so Dinge, die in der Schule verlangt werden. "Aber man sollte sich schon fragen: Wofür lernt mein Kind? Dafür, dass es eine gute Schulnote bekommt, oder dafür, dass es sein Wissen erweitert und vertieft?", sagt Klemke.

Das Serious Game fragt nicht nach richtig oder falsch. "Der offene Zugang macht ein ganz anderes Lernen möglich. Eines, das nicht mehr eingeengt ist durch eine simple Lösung." Dieses Wissen ist schwieriger abzufragen als das klassische Prüfungswissen. Aber das sei genau der Vorteil: "Die Welt, in die wir die Schüler entlassen, hat ganz neue Anforderungen. Faktenwissen, wie Formeln oder Vokabeln, ist längst nicht mehr so wichtig. Viel zentraler ist es, Zusammenhänge zu verstehen, kreative Lösungen zu finden, flexibel zu sein."