Ein Großteil der Lehrerinnen und Lehrer in Deutschland bemängelt die Schreibfertigkeiten von Schülern. Das geht aus einer aktuellen Studie des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) und des Schreibmotorik Instituts hervor. Demnach sind nur vier Prozent der befragten Lehrkräfte mit der Handschrift ihrer Schüler zufrieden. 37 Prozent der Kinder an Grundschulen haben der Lehreransicht nach Probleme damit, eine lesbare und flüssige Handschrift zu entwickeln. Lehrer an weiterführenden Schulen sehen sogar bei 43 Prozent der Schüler Mängel. 

Jungen sind den Angaben zufolge häufiger von Schreibschwächen betroffen als Mädchen. Während in der Grundschule 45 Prozent der Jungen Probleme mit dem Schreiben haben, sind es bei den Mädchen 29 Prozent. Der Studie zufolge verschlechtert sich aber nicht nur die Handschrift allgemein: Auch die Kompetenzen, die für die Entwicklung einer Handschrift notwendig sind, verschlechterten sich, teilte der Verband Bildung und Erziehung (VBE) bei der Vorstellung seiner repräsentativen Studie mit.

Als Ursachen für Schreibprobleme führt die Studie schlechte Motorik, Koordination und Konzentrationsfähigkeit von Schülern an. Auch die fortschreitende Digitalisierung der Kommunikation sowie der häufige Konsum von Medien werde von der Hälfte der befragten Lehrkräfte als problematisch empfunden. 

Wenig Zeit für individuelle Förderung

Zugleich bemängelte ein Großteil der befragten Pädagogen, dass zu wenig Zeit für die individuelle Förderung der Schüler bleibt. 64 Prozent gaben demnach an, dass häufig oder sehr häufig zu wenig Zeit für das Üben zur Verfügung stehe. Mehr als die Hälfte der Lehrer kritisierte, dass im Lehrplan zu wenig Wert auf das Schreibenlernen gelegt werde. Zudem bemängelten die Befragten fehlende Fortbildungsmaßnahmen und Hilfsangebote für Lehrkräfte.

"Wie sollen wir den Kindern das Schreibenlernen beibringen, wenn den Lehrkräften schlicht die Zeit fehlt, sie individuell zu unterstützen?", kritisierte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. "Wenn Kinder dann noch motorische Defizite aufweisen, weil sie auch zu Hause nicht die notwendige Unterstützung bekommen können, geraten wir an die Grenze des Machbaren."

Training der Feinmotorik führt zu Verbesserung der Handschrift

"Das Schreiben mit der Hand ist genauso wichtig wie das Lesen und die Rechtschreibung", sagte die Geschäftsführerin des Schreibmotorik Instituts, Marianela Diaz Meyer. Mit der Hand zu schreiben unterstütze die Rechtschreibung, das Lesen sowie das Textverständnis und die schulischen Leistungen.

Indem Kinder basteln, malen oder kochen, könne einer schlechten Handschrift entgegengewirkt werden, hieß es in der Studie weiter. Dadurch werde etwa die Feinmotorik trainiert. Die Schrift von Kindern verbessere sich zudem bereits signifikant, wenn sie eine Stunde pro Woche das Schreiben üben. Die Mehrheit der befragten Lehrer befürwortet so auch den Einsatz von Stift und Papier im Unterricht. Nur jeder fünfte Grundschullehrer und 61 Prozent der Sekundärschullehrer bewerten hingegen den Einsatz von Tastatur und Computer als geeignete Hilfsmittel im Unterricht.

Der VBE hat die repräsentative Umfrage gemeinsam mit dem Schreibmotorik Institut von September 2018 bis Januar 2019 durchgeführt. An der Studie über die Entwicklung, Probleme und Interventionen zum Thema Handschreiben (STEP) beteiligten sich bundesweit mehr als 2.000 Lehrerinnen und Lehrer. Der VBE ist mit rund 164.000 Mitgliedern Deutschlands zweitgrößte Gewerkschaft für Pädagogen.