In Deutschland fehlen laut einer Studie Hunderttausende Plätze für die Ganztagsbetreuung von Grundschulkindern. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Jugendinstitut (DJI). Demnach sind bis zum Jahr 2025 bis zu 665.000 neue Plätze notwendig, um den von der Bundesregierung geplanten Rechtsanspruch umzusetzen. Laut den DJI-Berechnungen müssten Bund und Länder bei Berücksichtigung aller Elternwünsche rund 3,9 Milliarden Euro investieren. Die Betriebskosten lägen demnach bei jährlich 2,6 Milliarden Euro.

Eltern haben bereits jetzt ab dem ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt ihrer Kinder einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist nun auch ein Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder vorgesehen. Damit soll nicht nur die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtert werden, sondern die Bildungschancen für alle Kinder garantieren.

71 Prozent der Eltern melden Bedarf an

Die DJI-Forscherinnen und Forscher befragten für ihre Studie zunächst die Eltern nach ihren Wünschen und ermittelten einen Bedarf an einem Ganztagsbetreuungsangebot im Grundschulalter von 71 Prozent. Ein entsprechendes Ganztagsangebot gebe es demnach bisher nur für 48 Prozent.

Sie nahmen zudem an, dass die Eltern ihre Kinder an fünf Tagen in der Woche je acht Stunden betreut haben wollen. Von diesen 40 Wochenstunden würden derzeit 21,2 Stunden durch Unterricht abgedeckt, also müssten die Kinder 18,8 Stunden pro Woche zusätzlich betreut werden. Dafür ermittelten die Forscher schließlich die Personalkosten von Fachkräften sowie die Kosten für die Einrichtung der Plätze.

Familienministerin Giffey kündigt Gesetzesinitiative an

Rechnet man jene Eltern raus, die nur eine Mittagsbetreuung für ihr Kind bis maximal 14.30 Uhr brauchen, fällt der zusätzliche Bedarf geringer aus. Dann müssten bis 2025 nur etwa 322.000 zusätzliche Ganztagsplätze geschaffen werden. Für den Betrieb wären dann nur 1,3 Milliarden Euro jährlich nötig.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kündigte an, zügig handeln zu wollen. "Die Zahlen vom Deutschen Jugendinstitut bestätigen uns und zeigen den Bedarf an Plätzen", sagte die SPD-Politikerin. Gemeinsam mit dem Bundesbildungsministerium und den Ländern wolle sie den Rechtsanspruch für Grundschulkinder auf Ganztagsbetreuung nun auf den Weg bringen.