In Deutschland ist die Schulabbrecherquote innerhalb eines Jahres von 5,7 auf 6,3 Prozent gestiegen – unter Ausländern sogar von 14,2 auf 18,1 Prozent. Das ist eines der Ergebnisse des neuen Bildungsmonitors, einer Studie der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Deren Geschäftsführer Hubertus Pellengahr sprach von einem "alarmierenden" Befund.

Die Bundesländer schneiden dabei sehr unterschiedlich ab: Laut Studie verlassen in Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen-Anhalt prozentual fast doppelt so viele Jugendliche die Schule ohne Abschluss wie in Hessen, Hamburg und Bayern.

Pellengahr nannte das eine "Fehlentwicklung", der die zuständigen Politiker in Bund und Ländern nicht tatenlos zusehen dürften. Angesichts der großen regionalen Unterschiede sei "nicht nur die Chancengerechtigkeit in Gefahr". Unter den ausländischen Schülerinnen und Schülern liegt der Anteil der Schulabbrecher in Thüringen sogar bei fast 47 Prozent und in Sachsen-Anhalt 40 Prozent, gegenüber Hessen mit 10 und Hamburg mit 12 Prozent.

Sprachförderung an Kitas

Das zentrale Fazit der Studie: Trotz steigender Ausgaben für Bildung, einer besseren Betreuungsrelation an Schulen und einer stärkeren Förderinfrastruktur reichen die Anstrengungen nicht aus, um die Teilhabechancen junger Menschen zu sichern. Die Autoren mahnen eine bessere Durchlässigkeit des Bildungssystems an.

Dazu empfehlen sie unter anderem eine bessere Sprachförderung an Kitas, den weiteren Ausbau von Ganztagsschulen und eine Bildungsfinanzierung, die sich besonders an Schulen in sozialen Brennpunkten und mit hohem Migrantenanteil orientiert.

Der jährlich erscheinende Monitor bezieht sich als Metastudie auf die jüngsten Bildungsdaten und ist wirtschaftsorientiert. Die Untersuchung geht der Frage nach, welchen Beitrag das Bildungssystem zur Sicherung des Wohlstands leistet und inwieweit Teilhabe- und Aufstiegschancen eröffnet werden. Dazu stellt der Monitor anhand von 93 Indikatoren ein Länderranking auf – untersucht wird zum Beispiel, wie viel Geld ein Bundesland pro Schüler ausgibt, wie das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern oder wie hoch der Anteil jüngerer Lehrer ist. Verglichen werden auch die Schul- und Azubi-Abbrecherquoten und Testergebnisse in Lesen und Mathe. 

Sachsen und Bayern an der Spitze

Im Ranking liegen Sachsen und Bayern weiter an der Spitze. Dahinter folgen das Saarland, Hamburg und Baden-Württemberg – am Ende stehen Nordrhein-Westfalen, Bremen, Brandenburg und Berlin. Das Saarland hat sich besonders stark verbessert.

Den Sieger Sachsen loben die Autoren unter anderem dafür, dass viele Kinder in Kindergärten und Grundschulen ganztags betreut würden, dass nur wenige Schüler nicht die Mindeststandards in Mathe oder Lesen erreichten und dass an sächsischen Hochschulen viele Ingenieure und Akademiker in Mathe und Naturwissenschaften ausgebildet würden. Beim Schlusslicht Berlin bemängelt die Studie unter anderem ein zu geringes Angebot an Lehrstellen und einen zu hohen Anteil an Schulabbrechern. Viele ausländische Schüler verließen die Schule ohne Abschluss, heißt es.

Trotz Fortschritten seit 2004 hat die Dynamik laut Studienautor Axel Plünnecke in den vergangenen Jahren jedoch "deutlich nachgelassen". Er forderte, die Bildungsinvestitionen von neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf zehn Prozent zu steigern. Plünneck appellierte auch, die Migration als Chance zu begreifen. Ohne dieses "Riesenpotenzial" gäbe es deutlich mehr Engpässe bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen.

INSM-Geschäftsführer Pellengahr sagte: "Das Geld muss vor allem effektiver eingesetzt werden." Die Initiative sei für "mehr bundesweit vergleichbare Tests und mehr Handlungsfreiheit für die Schulen, um einen Ideenwettbewerb zu entfachen".