Schule nervt? Stimmt gar nicht. – Seite 1

Unterrichtsausfall, Lehrermangel, schlechte Ausstattung: Über Schulen wird viel gemeckert. Studien wie das Ifo-Bildungsbarometer oder die Jako-o-Studie tragen die Kritik regelmäßig zusammen. Allerdings befragen sie in der Regel Erwachsene, also Menschen, die selbst gar nicht mehr zur Schule gehen. Doch wie nehmen eigentlich Schülerinnen und Schüler den Ort wahr, an dem sie täglich lernen, essen und spielen?

Darüber informiert nun eine Studie, die KiKa, der öffentlich-rechtliche Fernsehsender für Kinder und Jugendliche, in Auftrag gegeben hat. Von Februar bis März wurden dafür 1296 Erst- bis Sechstklässler mündlich befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für Deutschland.

Die weit überwiegende Mehrheit der Befragten, 80 Prozent, geht demnach gerne zur Schule. Bei den Angaben zeigt sich jedoch ein Altersgefälle: Je älter die Schülerinnen und Schüler, desto unzufriedener sind sie. Hängt das möglicherweise mit ihrer biologischen Uhr zusammen? Diesen Schluss legt ein weiteres Studienergebnis nahe: Fast alle Schülerinnen und Schüler finden, dass der Unterricht zu früh beginnt. Könnten sie frei entscheiden, würden sie um 8.40 Uhr in den Schultag starten. So lautet der aus allen Angaben errechnete Durchschnittswert.

Schüler bemängeln technische Ausstattung

Die Studie bestätigt damit die Forderungen von Schlafforschern nach einem späteren Schulbeginn. In Ländern wie England und Spanien wird das bereits umgesetzt. An deutschen Schulen beginnt der Unterricht dagegen jedoch häufig vor acht Uhr. Viel zu früh, findet etwa Schlafmediziner Alfred Wiater. Denn während der Pubertät stelle sich der Biorhythmus um. Jugendliche könnten vor Mitternacht oft kaum einschlafen. Forscher empfehlen deswegen sogar, dass der Schultag nicht vor neun oder zehn Uhr beginnen solle, also eher noch später als von den Schülern und Schülerinnen gewünscht.

Ein weiterer Punkt, der Schülerinnen und Schüler stört, ist die unzureichende Ausstattung der Schulen. So gab die Hälfte der Befragten an, sogenannte Whiteboards – elektronische Tafeln mit Touch-Display – seien "in keinem Raum" der Schule vorhanden. Auch zur Nutzung von Computern und Laptops wurden die Erst- bis Sechstklässler befragt. Zwei Drittel sind der Meinung, dass ihre Schule zu wenige davon besitzt.

Doch auch im baulichen Bereich gibt es viele Unzulänglichkeiten. Ohne Antwortvorgaben antwortete fast ein Drittel der Erst- bis Sechstklässler, dass es an Spiel- und Klettermöglichkeiten auf dem Pausenhof mangele. 14 Prozent gaben an, dass die Klassenzimmer zu klein, schlecht ausgestattet oder heruntergekommen seien. 13 Prozent kritisierten mangelnde Hygiene der Toiletten. Dass Schulen in Deutschland häufig in einem schlechten Zustand sind, ist ein Ergebnis, das durch andere Studien bestätigt wird: Um alle Schulen vollständig zu sanieren fehlen in Deutschland laut dem KfW-Kommunalpanel, einer bundesweiten Befragung von Stadt- und Gemeindekämmerern, fast 43 Milliarden Euro.

Bei Handyregeln wollen Schülerinnen und Schüler mehr mitbestimmen

Grundsätzlich wollen Schülerinnen und Schülern den Schulalltag mitbestimmen können, wobei das Interesse daran mit zunehmendem Alter steigt. So wünschen sich 60 Prozent der Erst- und Zweitklässler bei den Handyregeln mitreden zu dürfen, während 85 Prozent der Fünft- und Sechstklässler diesen Wunsch äußern. Auch bei der Klassenkasse, der Gestaltung des Klassenraums und dem Angebot an Arbeitsgemeinschaften möchten ältere Schüler stärker mitentscheiden als jüngere.

Zur generellen Zufriedenheit mit ihrer Schule tragen bei den Kindern offenbar die Arbeitsgemeinschaften und Gruppenaktivitäten bei, die zusätzlich zum regulären Unterricht angeboten werden. Etwa 90 Prozent der in der Studie befragten Kinder nehmen solche Zusatzangebote wahr. Allerdings gibt es deutliche geschlechterspezifische Unterschiede bei der Auswahl der Aktivitäten. Jungen machen häufiger Sport und "etwas mit Computern/Medien". Mädchen dagegen kochen und backen, tanzen, musizieren oder lernen Sprachen.

Bevor sie an Nachmittagsaktivitäten teilnehmen, kann sich die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler durch ein warmes Mittagessen stärken. Zwei Drittel der Befragten werden in der Mensa oder durch einen Catering-Dienst verpflegt. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind damit zufrieden: 90 Prozent werden "meistens satt", 80 Prozent finden das Essen "meistens lecker".