Seit 2013 hat sich trotz Vorlesetagen und Vorlesestudien kaum etwas verändert: Vielen Kindern in Deutschland wird relativ selten vorgelesen. Zu diesem Schluss kommt auch eine aktuelle Untersuchung: Laut der Vorlesestudie lesen rund 32 Prozent der befragten Eltern ihren Kindern nie oder höchstens einmal pro Woche vor. Das entspricht in etwa dem Anteil vorangegangener Erhebungen.

Den aktuellen Ergebnissen zufolge sind es eher ungebildete Eltern und Eltern mit einem geringen Einkommen, die kaum vorlesen. Wenn sie mehrere Kinder haben, kann das Mütter und Väter ebenfalls vom Vorlesen abhalten. Außerdem lesen noch immer fast 60 Prozent der Väter kaum vor, dasselbe gilt nur für 27 Prozent der Mütter. Die Arbeit hält Eltern jedoch nicht davon ab, vorzulesen. Die Studie zeigt sogar: Berufstätige Mütter lesen häufiger vor als nicht berufstätige. 39 Prozent der nicht arbeitenden Mütter lesen selten vor, aber nur 27 Prozent der Berufstätigen.

Die Vorlesestudie wird seit 2007 durchgeführt und ist ein Projekt der Stiftung Lesen, der ZEIT und der Deutsche Bahn Stiftung. Die KMF Krämer Marktforschung hat dazu im Juni und Juli dieses Jahres 700 Eltern von Kinder im Alter von zwei bis acht Jahren befragt.

Es müssen nicht immer Bücher sein

Was aber zählt überhaupt als Vorlesen? Wiederum vor allem Eltern mit wenig formaler Bildung gehen von vornherein davon aus, Bilderbücher anzuschauen und etwas dazu zu erzählen, gehöre nicht dazu. Die Studie weist dagegen darauf hin, dass auch Aktivitäten, die dem Vorlesen ähneln, Kinder fördern. Das gelte etwa, wenn man Bilderbuch-Apps nutze, Geschichten erfinde oder Märchen nacherzähle, ohne dabei ein Buch in der Hand zu halten.

Allerdings erzählen auch weniger gebildete Eltern weniger Geschichten oder Märchen. Gleichwohl geben sie wichtige Sprachanregungen, indem sie etwa mit ihren Kindern Fotobücher, Kataloge oder Bilder auf dem Smartphone anschauen und darüber reden. Sie singen Lieder vor oder hören Hörspiele. Diese Aktivitäten sollte man laut Studie fördern. Dadurch könnten Eltern motiviert werden, auch vorzulesen.

Grundsätzlich empfiehlt die Stiftung Lesen, jeden Tag 15 Minuten vorzulesen, Geschichten zu erzählen oder Bilderbücher anzuschauen. Ältere Vorlesestudien haben gezeigt, dass Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, erfolgreicher in der Schule sind. Vier von fünf der Vorlesekinder fällt das Lesenlernen in der Grundschule leicht – aber nur der Hälfte der Kinder, denen nicht vorgelesen wird. Letztere sind auch häufiger frustriert, weil ihnen das Lesenlernen zu lange dauert. Aber nicht nur in Deutsch, auch in Mathe und Fremdsprachen haben die Kinder mit Vorleseerfahrungen bessere Noten als Kinder ohne. Vorlesen soll darüber hinaus den Gemeinschafts- und Gerechtigkeitssinn der Kinder fördern.

Am 15. November 2019 ist der nächste bundesweite Vorlesetag. Das Thema ist in diesem Jahr Sport und Bewegung.