Politiker schmücken sich gern mit ihrem Techno-Cool. Her mit der Laptopausrüstung für jede Schule, einem Tablet für jeden Schüler. Der Bund will fünf Milliarden ausschütten; "die Bildungspolitik befindet sich im Digitalisierungsrausch", notierte die FAZ. Deshalb lohnt sich ein Blick nach draußen. In Schottland läuft seit Beginn des Schuljahres ein Experiment. 50.000 Schüler im Alter von 9 bis 17 sollen bis 2021 ein iPad geschenkt bekommen, danach die Kleinen in den Kindergärten. Die Kosten: 300 Millionen Pfund (330 Mio. Euro) für iPads und Infrastruktur.

Eine wunderbare Idee, bejubelt der Chef der Schulverwaltung von Glasgow das Projekt im Economist. Es werde "Leistung und Lernen in allen Schulen und Kitas beflügeln". Die digitale Aufrüstung werde die meist schnell veraltenden Lehrbücher ersetzen und – besser noch – den beruflichen Aufstieg begünstigen. Die Kids würden permanent vernetzt sein, in Echtzeit kommunizieren und kooperieren – von wo auch immer. Die 300-Millionen-Investition werde eine reiche Rendite abwerfen.

Bloß muss die Erfahrung noch die Erwartung bestätigen. Systematische Daten zum iPad in der Schule fehlen bislang. Jedoch hat eine Metastudie von vier angloamerikanischen Forschern – Education Technology: An Evidence-Based Review – schon vor zwei Jahren das breite Feld der Lerntechnologie diesseits des Tablets abgesucht und Dutzende von Einzelstudien analysiert. Was bringen PCs, Laptops und Lernplattformen im Unterricht?

Weder bessere noch schlechtere Leistungen

Das knappe Fazit liefert ein Mitglied des Forscherquartetts, Philip Oreopoulos von der Universität Toronto, anhand der internationalen Statistiken. Der Laptop im Klassenzimmer steigere zwar die Computernutzung, was kaum erstaunlich ist. Aber diese hätte in Wahrheit keinen Einfluss auf den Lernerfolg.

Zuweilen, so das Hundert-Seiten-Konvolut, war die Korrelation gar negativ, was ebenfalls nicht überrascht. Zum Beispiel in Rumänien und Holland, wo zu Hause oder in der Schule eingesetzte Computer subventioniert wurden. Als Erklärung drängt sich auf: Wer einen PC hat, verbringt mehr Zeit mit Games als mit Hausaufgaben.

Grundsätzlich, notieren die vier Forscher, bewirke der Zugang zu Rechnern weder bessere noch schlechtere Leistungen. Schüler haben nicht länger an ihren Hausaufgaben gesessen, Zensuren und Testergebnisse wurden nicht besser. Verbilligter Internetzugang hatte auch keinen Einfluss, weder günstigen noch ungünstigen.

Viele der ausgewerteten Einzelstudien konzentrierten sich auf junge Menschen aus Minderheiten oder ärmlichen Verhältnissen. Hier durfte man annehmen, dass die staatliche Finanzierung von PCs und Software eine besonders hohe Bildungsrendite zeugen würde. Leider ging die Rechnung nicht auf. In einem kalifornischen Community College (das ein Zwei-Jahre-Einstiegsstudium bietet) erhielten 286 benachteiligte Studenten einen eigenen Laptop. Der Notendurchschnitt ging gerade mal um 0,15 Punkte (auf einer Skala bis vier) hoch, was statistisch insignifikant ist. Die Drop-out-Rate rührte sich nicht vom Fleck. Eine Stufe drunter, in den kalifornischen Grund- und Oberschulen, war das Resultat "gleich null".