Schülerinnen und Schüler in Deutschland sind wieder schlechter geworden in Mathematik und in den Naturwissenschaften. Auch in der Lesekompetenz zeigt sich ein leichter Rückgang, der sei aber statistisch nicht belastbar. Das stellt die aktuelle Pisa-Studie fest.

Zwar liegen die Leistungen der getesteten 15-Jährigen weiter über dem OECD-Durchschnitt. Das heißt, in mindestens zwei der Disziplinen sind Kinder in Deutschland genauso gut oder schlecht wie Gleichaltrige in Frankreich, Norwegen, Schweden, Australien oder in den USA. Jedoch gibt es eine Reihe Länder, in denen die Leistungen der Schülerinnen und Schüler besser sind. Dazu zählen etwa Estland und Finnland, aber auch Hongkong, Neuseeland, Polen und Singapur

Hinzu kommt, dass die durchschnittlichen Leistungen der Kinder gesunken sind. Vor allem die Risikoschüler schneiden wieder schlechter ab. Dabei waren die Leistungen seit der ersten Studie aus dem Jahr 2000 kontinuierlich angestiegen.

Auffällig ist, wie stark gute Ergebnisse beim Pisa-Test mit der sozialen Herkunft zusammenhängen. Besonders bei der Lesekompetenz, die in diesem Jahr Schwerpunkt war, zeigen sich die Unterschiede: Kinder aus sozial schwachen Familien schneiden hier deutlich schlechter ab als Kinder, die aus einem wohlhabenden Haushalt kommen, in dem auf Bildung Wert gelegt wird. Werden die 25 Prozent der privilegiertesten Jugendlichen mit den 25 Prozent der sozial schwächsten Schülerinnen und Schüler verglichen, zeigt sich ein Leistungsunterschied von 113 Punkten. Der OECD-Durchschnitt liegt hingegen bei 89 Punkten. Das heißt: Die negativen Auswirkungen von sozioökonomischer Benachteiligung auf die Bildungs- und langfristig auch Aufstiegschancen von jungen Menschen sind zwar in vielen Ländern stark, in Deutschland aber besonders ausgeprägt. Schon in der ersten Pisa-Studie zeigte sich dieser Trend. Auch er hatte im Laufe der Jahre zunächst abgenommen. 

Zu den Benachteiligten gehören in Deutschland viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund. In der Pisa-Studie werden Jugendliche zu dieser Gruppe gezählt, deren Eltern beide nicht in Deutschland geboren wurden. Ihr Anteil hat sich demnach seit 2009 um 4 Prozentpunkte von 18 auf 22 Prozent erhöht. Nach deutscher Rechnung besteht ein Migrationshintergrund, wenn ein Elternteil nicht in Deutschland geboren wurde. Nach dieser Zählung hat er sich seit 2000 von 22 auf 36 Prozent erhöht.

Zwischen den Kindern mit anderen Wurzeln und Kindern deutscher Abstammung zeigt sich bei der Lesekompetenz ein Leistungsunterschied von 63 Punkten – das ist ein Unterschied im Lernstoff von etwa zwei Schuljahren. Aber das heißt nicht, dass Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund automatisch zu den Leistungsschwachen zählen: 16 Prozent von ihnen erreichten im Pisa-Test nämlich Spitzenergebnisse, was wiederum dem OECD-Durchschnitt entspricht. Ähnliches gilt auch für alle sozial benachteiligten Kinder und Jugendlichen: Zehn Prozent von ihnen bekamen bei den Tests Bestnoten. 

Jungen erreichen in Mint-Fächern schlechtere Leistungen als früher

Unterschiede zeigen sich auch nach Geschlecht: In allen Ländern sind die Mädchen bei der Lesekompetenz stärker und erzielen 30 Punkte mehr als die Jungen. In Deutschland allerdings fällt der Unterschied etwas kleiner aus, hier kommen die Mädchen auf 26 Punkte mehr als die Jungen. In Mathe hingegen schneiden die Jungen besser ab, der Vorsprung in Pisa-Leistungspunkten ist aber gering. In den Naturwissenschaften erreichen Jungen und Mädchen ein ähnliches Niveau. Das ist jedoch keine gute Nachricht, denn der Unterschied ist vor allem deshalb kleiner geworden, weil sich die Jungen insgesamt verschlechtert haben im Vergleich zu den Jahrgängen vor ihnen.