Pisa-Test - Deutschland nur noch auf Platz 20 Im Pisa-Test liegt Estland bei den europäischen Ländern vorn. Die Leistungen der deutschen Jugendlichen rangieren über dem Durchschnitt, haben sich aber verschlechtert. © Foto: Wolfgang Kumm

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat angesichts der Ergebnisse der neuen Pisa-Studie gemahnt, dass "Mittelmaß nicht unser Anspruch" sein könne. Zwar hob die Ministerin hervor, dass Deutschland trotz der gesunkenen schulischen Leistungen immer noch leicht über dem OECD-Schnitt liege. "Damit können wir aber nicht zufrieden sein. Andere Staaten ziehen an uns vorbei", so die CDU-Politikerin in einer gemeinsamen Mitteilung ihres Ministeriums und der Kultusministerkonferenz.

Besonders bedenklich sei, dass jeder fünfte 15-Jährige nicht einmal auf Grundschulniveau lesen könne, sagte Karliczek. Bund und Länder seien gemeinsam gefordert, das Bildungssystem weiter zu verbessern. Der Bund werde Programme zur frühkindlichen Leseförderung "noch konsequenter weiterverfolgen".

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, der hessische Ressortchef Alexander Lorz (CDU), betonte, dass es den Schulen in der Bundesrepublik "bei einer deutlich stärkeren Heterogenität der Schülerschaft" gelinge, "weiterhin gute Ergebnisse im internationalen Vergleich zu erzielen". Ihn stimme zuversichtlich, dass Schüler mit Zuwanderungshintergrund in der zweiten Generation sich gegenüber früheren Pisa-Studien deutlich verbessert hätten. "Es belegt, dass die Schulen einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Integration in unsere Gesellschaft leisten."

Die Bildungsgewerkschaft GEW forderte, dass mehr für die Chancengleichheit im deutschen Schulsystem getan werden müsse. Denn die aktuellen Pisa-Ergebnisse zeigen, dass vor allem Jugendliche, deren beide Eltern im Ausland geboren wurden, meist erheblich schlechtere Leistungen als Kinder deutscher Herkunft erbringen. Es dürfe nicht sein, dass der Bildungserfolg von der sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler abhänge, kritisierte Ilka Hoffmann, GEW-Vorstandsmitglied für den Bereich Schule. "Auch fast 20 Jahre nach dem Pisa-Schock schafft es Schule nicht entscheidend, Nachteile abzubauen, die Kinder aus dem Elternhaus mitbringen. Im Gegenteil: Der Lehrkräftemangel verstärkt das Problem."

DIHK: Für den Arbeitsmarkt auch andere Fähigkeiten gefragt

Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Elke Hannack forderte ebenfalls eine gemeinsame Bildungsstrategie von Bund, Ländern, Kommunen sowie Sozialpartnern. Der geplante Nationale Bildungsrat sei die Chance dafür. Hannack kritisierte außerdem die frühe soziale Auslese im Schulsystem. Deutschland nehme hier einen "traurigen Spitzenplatz" ein.

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) Achim Dercks betonte, dass viele Unternehmen Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen Naturwissenschaften, Mathematik und Lesen benötigten. Für die Betriebe seien bundesweite und verbindliche Bildungsziele und Standards wichtig. Zugleich komme es in der Wirtschaft auch auf Fähigkeiten an, die durch die Pisa-Studie nicht abgefragt würden – etwa Leistungsbereitschaft, Disziplin und Belastbarkeit.  

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte zuvor die neue Pisa-Studie vorgestellt. Demnach schnitten Mittelstufenschüler in Deutschland in den drei Kompetenzfeldern Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften schlechter ab als bei der letzten Untersuchung aus dem Jahr 2015.