Die Drittklässler haben Pause. Die Kinder springen auf und stürmen auf den Schulflur, nach konzentrierter Arbeit wollen sie toben. Die Corona-Masken vieler Schülerinnen und Schüler bleiben im Klassenraum liegen – vergessen. Die Lehrerin müsste die Kinder ermahnen, sie zurückschicken, um die in Schulgebäuden Deutschlands geltende Maskenpflicht durchzusetzen. Doch an dieser freien Schule in einer deutschen Kleinstadt – die zum Schutz der Pädagogin hier ungenannt bleiben soll – läuft es anders. 

Lehrerinnen und Lehrer verstehen sich hier als Partner der Schüler und Schülerinnen. Ihr Konzept zielt auf Selbstbestimmung, die innere Motivation. Von den Schulbehörden auferlegte Regeln sind für die Pädagogen schnell Nebensache – und damit auch für die Kinder. "Wenn die Schüler auf dem Flur ohne Maske rennen, dann sage ich nicht, setz' die Maske auf", sagt die Lehrerin. "Weil sie im Flur sich auch nicht anders bewegen als im Klassenraum", begründet sie ihre Ablehnung. Weil sie selbst nicht hinter der Maskenpflicht stehe, habe sie sich von einem Psychologen, der ähnlich denkt, ein Attest besorgt, das sie von der Maskenpflicht befreit. Und weil ihr im Umgang mit den Schulkindern Mimik wichtig sei, und weil sie angstfrei leben wolle: "Wer um sich herum alles keimfrei hält, schwächt nur sein Immunsystem."