Zwei Angeklagte der sogenannten Sauerland-Gruppe haben vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht angegeben, an zwei Angriffen auf US-Militärlager in Afghanistan beteiligt gewesen zu sein. Dabei wollen sie die Lager auch mit Raketen beschossen haben.

In dem Prozess sind insgesamt vier Männer angeklagt, im Auftrag der Islamistischen Dschihad Union (IJU) Anschläge mit Autobomben auf US-Einrichtungen in Deutschland geplant zu haben. Die Gruppe war im September 2007 im sauerländischen Oberschledorn aufgeflogen. Bei ihnen waren 730 Liter Wasserstoffperoxid sichergestellt worden, der nach Überzeugung der Ermittler der Grundstoff für verheerende Autobomben sein sollte.

Vor dem Oberlandesgericht sagte der Angeklagte Adem Yilmaz am Dienstag, zwei von ihnen und andere Kämpfer seien im Spätsommer 2006 mit Jeeps von Pakistan nach Afghanistan gefahren. Dort haben sie nach eigener Aussagen die US-Militärlager mit Katjuscha-Raketen beschossen.

Bei dem "Fronteinsatz" habe jeder vier Magazine, Handgranaten, ein Sturmgewehr und ein Kampfmesser bei sich geführt. Außerdem hätten sie einen Raketenwerfer aufgebaut und beim ersten Mal das US-Lager aus etwa zehn Kilometer Entfernung mit mehreren Raketen beschossen. "Die zweite Rakete ist voll im Lager eingeschlagen. Die Amerikaner haben mit Granaten um sich geschossen. Die dachten, wir sind ganz in der Nähe", sagte Yilmaz. Er selbst habe eine Flanke gesichert und keinen einzigen Schuss abgegeben.

Bei einem anderen Angriff auf ein US-Lager seien sie in das Granatfeuer der Amerikaner geraten: "Wenn da so Granaten um einen einschlagen, ist man psychisch sehr geschafft. Das war eine brenzlige Situation. Ich hatte schon ein bisschen Angst vor dem Tod. Vorher habe ich den Coolen gespielt, aber in der Situation hofft man schon, heil wieder rauszukommen", sagte Yilmaz. Bei einer weiteren Operation hätten sie eine Mine scharf gemacht und auf eine US-Patrouille gewartet - diese sei aber nicht gekommen.

Obwohl er nach zwei Tagen Einsatz körperlich und psychisch sehr erschöpft gewesen sei, hätte er gerne an weiteren Operationen teilgenommen, gestand Yilmaz. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er zwei Monate an der Front "voll ausgekostet". "Das ist einfach Dschihad, das nimmt man in Kauf. Ja, ich würde gerne dort bleiben", sagte er.

Dass er sich der Islamischen Dschihad Union (IJU) angeschlossen hatte, habe er erst wieder zurück in Deutschland erfahren. In Pakistan sei es für ihn einfach die "usbekische Gruppe" gewesen.

Bis jetzt sollen die vier Angeklagten im Prozess in umfassenden Geständnissen die gegen sie angeführten Anschuldigungen im Wesentlichen bestätigt haben.