Jetzt, wo es vorbei ist, da sollte man vielleicht einmal ganz kurz innehalten und zurückschauen auf das, was da in den vergangenen Wochen passiert ist, auf das, was wir erlebt haben im Rahmen dieses Bundestagswahlkampfes - darauf, wie wir, die Medien, all das begleitet, kommentiert, eingeordnet haben. Diese Rückschau ist nötig, um Stefan Raabs TV-Total-Sendung zur Wahl zu verstehen, die vielleicht die konsequenteste Umsetzung des Themas für das Fernsehen darstellte.

In einem Interview mit dem ZEITmagazin sagte Bettina Böttinger, langjährige Fernsehfrau und Jurymitglied des Deutschen Fernsehpreises, sie würde sich über die Wahl hauptsächlich durch die Lektüre in Zeitungen und Zeitschriften informieren – die Fernsehangebote spielten keine Rolle. Und nach all den Untergangsszenarien zum Genre Print zeigt die Berichterstattung zu dieser Wahl, wie gut, wie wichtig Druckerzeugnisse zur Informationsweitergabe, zum Erkenntnisgewinn, zur Meinungsbildung sind: Unaufgeregt, sachlich, kompetent, ideenreich, leidenschaftlich wurde in den seriösen Printmedien über diese Wahl bereichtet, manche haben auch aus den Fehlern von 2005 gelernt, als sich einige Journalisten tatsächlich für die besseren Politiker hielten. 2009 steht ein Gewinner dieser Wahl fest: die Printmedien. Und das Fernsehen ist der Verlierer – zu schwach, zu dumm waren viele Formate, das Jammern über einen langweiligen Wahlkampf machte den auch nicht spannender.

Stefan Raab versteht mehr vom Fernsehen als manch ein anderer – was er von der Politik versteht, behielt er auch am Samstagabend für sich, was sicherlich die richtige Entscheidung war: Er war zuständig für das Tempo, den Witz, für die absurden Momente. Den Rest besorgte Mitmoderator Peter Limbourg, von dem nun wirklich niemand mehr erwartet, er würde den politischen Fernsehjournalismus neu erfinden – was völlig in Ordnung ist. Und wie bereits vor vier Jahren luden diese beiden zur "Elefantenrunde" ein – und sie kamen alle, die Spitzenpolitiker der großen fünf Parteien, außer Merkel, außer Steinmeier, aber vielleicht war gerade das auch das Glück der Sendung.

Ein Unglück war das Studiopublikum, offensichtlich Nachwuchskader der Parteien, die sich im Laufe der Sendung allerdings als schlecht erzogene Gören offenbarten und wirklich Anlass zur Sorge um die politische Zukunft in diesem Land boten. Die Politiker trugen es mit Fassung, auch die Musikauswahl, die zu ihrem Einmarsch gespielt wurde: Als Guido Westerwelle das Studio betrat, spielte die Band "Sexy Motherfucker", nun ja. Karl Theodor zu Guttenberg bekam als Einmarschmusik obligatorisch AC/DC, was wirklich wie ein Witz anmutete, denn Guttenberg kam verkleidet als BWL-Student – ausgerechnet er müsste doch eigentlich wissen, dass man sich besser nicht versucht modisch bei einem jüngeren Publikum anzubiedern.