Die Ermittler haben einen Abschiedsbrief des Amokläufers von Winnenden in dessen Tresor im Jugendzimmer gefunden. Darin habe Tim K. geschrieben: "Die Wahrheit ist, diejenigen haben es schon von Geburt an in sich, es kommt jedoch nur raus, wenn das Gemachte hinzukommt." Ob sich diese Gedanken auf Tötungsfantasien oder die sexuellen Neigungen des 17-Jährigen beziehen, sei noch unklar. Dies berichtet stern.de unter Berufung auf das Gutachten, das der Staatsanwaltschaft Stuttgart vorliegt. Die Anklagebehörde wollte dazu auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Auch die Winnender Zeitung zitiert das Gutachten, wonach Tim K. in dem Jahr vor dem Amoklauf in einem psychischen Zustand gewesen, der seine Eltern hätte warnen müssen. Demnach hatte der Jugendliche bereits im Frühjahr 2008 einen "Hilferuf" ausgesendet: Weil er spürte, dass etwas mit ihm auf quälende Weise ganz und gar nicht stimmte, recherchierte er im Internet die Symptome psychischer Krankheitsbilder, kam zu der Selbstdiagnose, dass er möglicherweise an einer "bipolaren Störung" leide, also manisch-depressiv sei.

Tim K. wandte sich daraufhin an seine Mutter: Er wolle sich in Behandlung begeben. So sei er in eine Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie gekommen und habe dort mehrere Gespräche mit einer Therapeutin geführt. Dabei wurde er laut Zeitung von heftigen Stimmungsschwankungen geplagt.

Seiner Therapeutin erzählte der Junge von seinem Alleinsein, seinen verkümmerten sozialen Kontakten und schlimmen Gedanken: Alles komme ihm dann schlecht vor, er habe einen Hass auf die Menschheit. Er sei von der Idee heimgesucht, alle umzubringen. Zur Ablenkung sei er in die Welt von Computerspielen geflüchtet.

Die Therapeutin will den Eltern von den aggressiven Gedanken des Sohnes erzählt haben. Die Eltern bestreiten das. Dass Tim K. Zugang zu Waffen hatte, sei der Therapeutin nicht bekanntgewesen.

Laut Gutachten hätte der Vater aber erkennen müssen, dass ein so aus dem Gleichgewicht geratener Junge keinen Zugang zu Waffen haben darf. Die Behörden wollen nun im September oder Oktober entscheiden, ob gegen ihn Anklage erhoben oder ein Strafbefehl erlassen wird. Gegen den Vater wird wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, weil Tim K. dessen Waffe und Munition benutzt hatte. Die Waffe hatte unverschlossen im Schlafzimmer der Eltern gelegen.

Tim K. hatte am 11. März an seiner ehemaligen Schule im baden-württembergischen Winnenden und auf seiner anschließenden Flucht nach Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschossen.