Die Sommerferien in Baden-Württemberg sind vorbei. Wie an allen anderen Schulen ging auch in Winnenden an der Albertville-Realschule am Montag der Schulalltag wieder los. Am 11. März hatte dort der 17-jährige Tim K. das Feuer auf Schüler und Lehrer eröffnet. Fünfzehn Menschen starben, am Ende richtete er sich selbst.

Die Leiterin der Schule, Astrid Hahn, sprach ein halbes Jahr nach dem Amoklauf von einem "fast normalen" ersten Schultag. Rund 50 Schüler seien noch in Behandlung, um die Ereignisse zu verarbeiten. "Das ist eine relativ geringe Anzahl", sagte Thomas Weber, Koordinator der psychologischen Nachsorge.

Die etwa 600 Schüler der Albertville-Schule sind derzeit noch in Containern untergebracht. Das ursprüngliche Schulgebäude wird derzeit umgebaut, im September 2011 aber sollen die Schüler dorthin zurückziehen können. Neu eingerichtet wurde für die Übergangszeit auch ein Containerkomplex unmittelbar neben der Schule mit zwei Räumen für den naturwissenschaftlichen Unterricht.

Regierungsschuldirektor Wolfgang Schiele lobte die Kooperation von Ämtern, Schulen und Betreuern nach dem Amoklauf und nannte sie das "Wunder von Winnenden". Ein halbes Jahr nach der Bluttat seien alle 101 Schüler der Abschlussklassen in Ausbildungsstellen oder an weiterführende sowie berufsbildende Schulen vermittelt.

Ermittlungen gegen den Vater noch nicht abgeschlossen

Am Tag des Amoklaufs war Tim K. gegen 9.30 Uhr in einem schwarzen Tarnanzug in die Schule gegangen und hatte sowohl im Gebäude als auch auf dem Schulhof mit einer Schusswaffe der italienischen Marke Beretta wahllos um sich geschossen. Danach floh er in Richtung Innenstadt. Er nahm einen Autofahrer als Geisel und zwang ihn, bis ins 20 Kilometer entfernte Wendlingen zu fahren.

Dort zwang er den Autofahrer auszusteigen und fuhr anschließend allein weiter bis zu einem Industriegebiet, in dem er in einem Autohaus zwei Passanten erschoss und sich einen Schusswechsel mit der Polizei lieferte. Dabei wurden zwei Polizisten schwer verletzt. Nachdem er selbst am Bein getroffen wurde, schoss Tim K. sich selbst in den Kopf. 

Derzeit wird gegen den Vater wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, weil Tim K. dessen Waffe und Munition benutzt hatte. Die Waffe hatte unverschlossen im Schlafzimmer der Eltern gelegen. Erst vor Kurzem war ein Abschiedsbrief des Amokläufers aufgetaucht. In ihm hing er Tötungsfantasien nach.