Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) hatte vor ihrem bundesweiten Start am 30. September 2001 mit dem Konterfei des einstigen Tennisstars geworben. Auf einem abfotografierten Titelblatt einer eingerollten Zeitung war Becker über der Hinweismeldung "Der gestrauchelte Liebling. Boris Beckers mühsame Versuche, nicht aus der Erfolgsspur geworfen zu werden", zu sehen. Der angekündigte Artikel war aber nie erschienen, da es sich um eine vorproduzierte Nullnummer (Dummy) der damals neu geschaffenen FAS handelte.

Becker sah sich in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt und hatte geklagt. Im ersten Prozess sprach im das Münchener Landgericht eine fiktive Lizenzgebühr in Höhe von 1,2 Millionen Euro zu. Diese Entschädigung galt für die komplette Laufzeit der am 10. September 2001 gestarteten Werbekampagne. Dagegen hatte das Blatt Revision eingelegt.

Nach dem Gerichtsurteil des Bundesgerichtshofs (BGH) in Karlsruhe vom Freitag durfte die FAS anfangs ausnahmsweise auch ohne entsprechende Berichterstattung mit Beckers Foto werben, um die Öffentlichkeit über die Gestaltung und Ausrichtung der neuen Zeitung zu informieren. Vor dem Start der Zeitung war die Verwendung eines Dummys aus Sicht des BGH-Senatsvorsitzenden Joachim Bornkamm zulässig, da es noch keine tatsächliche Ausgabe der Zeitung gab.

Jedoch befand es das Gericht als nicht gerechtfertigt, dass das Bild Beckers auch noch sechs Monate nach Einführung der Zeitung für die Werbekampagne genutzt wurde. Nach dem BGH-Urteil wäre es für die FAS "alsbald" nach dem Start zumutbar gewesen, ihre Werbung umzustellen. Spätestens vier Wochen nach dem ersten Erscheinen hätte die Werbung gegen eine real erschienene Ausgabe ausgewechselt werden müssen.

Beckers Anspruch sei damit für die Zeit von Anfang November 2001 bis Ende März 2002 gerechtfertigt. Das Oberlandesgericht München muss nun über die Höhe der Entschädigung neu befinden. Becker stehen voraussichtlich mehrere hunderttausend Euro als Ausgleich zu.