Der Mord im Gerichtssaal hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. In der arabischen Welt waren gar Rufe nach Vergeltung laut geworden. Vor dem Prozess gab es einen Mordaufruf gegen den Angeklagten. Unter den Prozessbeobachtern am Montag war auch Ägyptens Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy. Er erwartet einen fairen Prozess: "Ich habe großes Vertrauen in die deutsche Justiz."

Der Mord an El-Sherbini habe das Verhältnis der Deutschen zur arabischen und islamischen Welt sehr getrübt, sagte der Präsident des Zentralrats der Muslime in Deutschland Ayyub Axel Köhler. "Deutschlands Ruf hat sehr gelitten. Die Politik verdrängt die Islamfeindlichkeit, sie verdrängt die Folgen solcher Erscheinungen."

Die Vorsitzende Richterin Birgit Wiegand machte zu Prozessbeginn deutlich, dass es sich um kein politisches Verfahren handle. Alle Beteiligten sollten dem Rechnung tragen. Es gehe darum, den Tod einer jungen Frau aufzuklären, "deren Würde in diesem Verfahren auch gewahrt werden muss", mahnte sie zudem. Wenig später lehnte die Kammer einen Befangenheitsantrag der Verteidigung ab. Einer der Verteidiger des Angeklagten Alex W. erklärte zudem, dass sich sein Mandant vorläufig weder zu den Vorwürfen noch zur Person äußere.

Der Prozess, für den zunächst elf Verhandlungstage angesetzt sind, wird an diesem Dienstag fortgesetzt. Unter anderem ist der Richter geladen, der den Vorsitz bei der Berufungsverhandlung am 1. Juli hatte.