Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin soll die Zuständigkeit für Bargeld-Umlauf und Risiko-Controlling verlieren. Einem Bericht des Magazins Focus zufolge geht dies hervor aus einem Dokument des Bundesbank-Präsidenten Axel Weber zur Vorstandssitzung am kommenden Dienstag. Die Bundesbank wollte sich dazu nicht äußern. Laut Focus soll Sarrazin in Zukunft nur noch für Informationstechnologie verantwortlich sein. Das vertrauliche Schreiben läge den Vorständen der Bundesbank bereits vor.

Trotz öffentlicher Empörung finden Sarrazins Äußerungen offenbar eine Mehrheit in der deutschen Bevölkerung. In der repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitut Emnid für die Bild am Sonntag stimmen 51 Prozent der Deutschen der Aussage zu, dass ein Großteil der arabischen und türkischen Einwanderer weder integrationswillig noch integrationsfähig sei. Nur 39 Prozent der insgesamt 501 Befragten lehnen die geäußerte Meinung Sarrazins ab. Bei den Grünen-Wählern stoßen Sarrazins Aussagen mehrheitlich auf Ablehnung. Zustimmung gab es bei den Anhängern der SPD, CDU/CSU und FDP und der Linken. 69 Prozent der Bundesbürger finden sogar, es sei richtig, dass Sarrazin eine Debatte über Integration angestoßen habe. Nur 22 Prozent meinen, er hätte seine Meinung besser für sich behalten.

Laut Spiegel-Online nannte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, die Worte Sarrazins einen "ernsten Weckruf". Die künftige schwarz-gelbe Koalition forderte er zur Einrichtung eines Bundesministeriums für Zuwanderung und Integration auf. "Viel zu lange, auch jetzt wieder im Wahlkampf, wurde verdrängt, dass wir längst ein Einwanderungsland sind", kritisierte der DIW-Chef.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) kritisierte Sarrazin scharf. "Für einen Sozialdemokraten, der zumindest das Parteibuch noch bei sich hat, gehört es zum Grundkodex, dass man Menschen – egal wo sie hergekommen sind und die seit Jahren hier leben – nicht sozial diffamiert", sagte er auf dem SPD- Landesparteitag am gestrigen Samstag. Auch andere Redner kritisierten Sarrazin heftig. Einige sahen für ihn keinen Platz mehr in der SPD.

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir kommentierte, Sarrazin habe mit seinen Äußerungen der Integration einen "Bärendienst" erwiesen. Das schrieb er in einem Beitrag für den Tagesspiegel am Sonntag. In Sarrazins Weltbild dominiere "die archaische Stammeskultur." Sarrazin definiere Menschen nach ihrer ethnischen Herkunft und Religion.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte Sarrazin Nähe zum Nationalsozialismus vorgeworfen. "Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist", sagte der Generalsekretär Stephan Kramer. Dagegen schrieb der Münchner Historiker Michael Wolffsohn, er sehe sich durch Kramers Äußerungen als Jude nicht vertreten. "Wer Sarrazin mit Hitler vergleicht, hat nicht alle Tassen im Schrank", schrieb Wolffsohn in einem Beitrag für den Tagesspiegel am Sonntag.

In einem Interview in der Zeitschrift Lettre International über Berlins wirtschaftliche Zukunft hatte Sarrazin sich kritisch über Türken geäußert und damit große Entrüstung ausgelöst. Der Zeitschrift sagte er: "Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert." Vor allem in Berlin lebenden Türken und Arabern hatte er eine mangelnde Integrationswilligkeit vorgeworfen.