Ihren vereitelten Amoklauf an einem Gymnasium bei Bonn muss die 16-jährige Täterin mit fünf Jahren Jugendstrafe büßen. Ein Bonner Gericht verurteilte das Mädchen am Dienstag wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung sowie Verstoßes gegen das Waffengesetz.

Eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik kam für das Gericht nicht infrage. Es stufte die Schülerin als voll schuldfähig zum Zeitpunkt der Tat ein.

Die Staatsanwaltschaft hatte in dem nichtöffentlichen Verfahren sechs Jahre gefordert. Die Anwälte des Mädchens verlangten dagegen, ihre Mandantin lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung und unerlaubten Waffenbesitzes zu einer erzieherischen Strafe zu verurteilen.

Neben der Angeklagten selber und der Hauptzeugin Anna P. sollten auch zwei psychologische Gutachter aussagen, die Auskunft zur Schuldfähigkeit der Schülerin geben sollen.

Thorge Büsing, einer der beiden Anwälte, sagte ZEIT ONLINE: „Die vorgetragenen psychologischen Gutachten waren diametral entgegengesetzt.“ Eines habe sich klar für die Unzurechnungsfähigkeit der Angeklagten ausgesprochen, das andere klar dagegen. „Somit musste das Gericht entscheiden: Welches Gutachten ist richtig?“, sagte Büsing. „Das konnte es aber nicht.“ So sei zwar in dubio pro reo entschieden worden, das heißt eine verminderte Schuldfähigkeit wurde im Zweifel für die Angeklagte angenommen, konnte letztlich aber nicht positiv festgestellt werden. Somit stehen am Ende fünf Jahre Haft, was das Gericht, so Büsing, als die am besten geeignete erzieherische Maßnahme betrachtete.

Die Jugendliche war am 11. Mai mit mehreren selbst gebastelten Brandsätzen, einem Schwert und einer Schreckschusspistole in die Schule in St. Augustin gekommen. Die 16-Jährige wollte einen Lehrer niederstechen, um an die Schulschlüssel zu gelangen. Danach wollte sie die Klassenzimmer mit Molotowcocktails in Brand setzen und die Türen der brennenden Räume abschließen.

Bei den letzten Vorbereitungen für ihre Tat wurde sie jedoch auf der Schultoilette von einer Mitschülerin überrascht. Diese verletzte die Täterin mit dem Schwert schwer an Händen und Armen.

Kurz danach flüchtete sie und stellte sich am Abend der Polizei in Köln. Zu Beginn des nichtöffentlichen Prozesses legte sie ein umfassendes Geständnis ab.

Ob die Schülerin Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen wird, konnte ihr Verteidiger Büsing noch nicht sagen.