Auf den ersten Blick scheint alles wie gewohnt. Fröhlich schwatzend und voller Vorfreude ziehen Gruppen in Dschidda durch die Altstadt und die Einkaufsmeilen - aus Malaysia und Pakistan, aus Indonesien und Nigeria. Nur wenige Pilger tragen weiße Atemmasken zum Schutz gegen Schweinegrippe, die meisten wollen die teure Hadsch-Reise nutzen, um noch etwas zu sehen von dem Land, in dem einst ihr Prophet Mohammed lebte.

In der Hauptstadt Riyadh schaut derweil Rihab Massoud jeden Nachmittag prüfend auf sein Handy. Er ist der Vizechef des Nationalen Sicherheitsrates von Saudi-Arabien und bekommt regelmäßig per SMS die neuesten Einreisezahlen geschickt, fein säuberlich nach Nationen sortiert.

Seit zwei Wochen landen die Sondermaschinen aus allen Winkeln der Erde. Am Mittwoch beginnt offiziell das fünftägige Hadsch-Ritual. Und zum ersten Mal sind die speziellen Pilger-Terminals der Flughäfen Dschidda und Medina mit Dutzenden Infrarotkameras ausgerüstet, um jeden Einreisenden mit Fieber sofort zu identifizieren. 70 Hadschis kamen bisher krank ins Land, vier starben - das sind viel weniger als befürchtet. Die Todesopfer hätten alle unter schweren Vorerkrankungen gelitten, die übrigen seien auf dem Wege der Besserung, erklärte Gesundheitsminister Abdullah Al-Rabeeah.

Dennoch wird in diesem Jahr an den heiligen Stätten des Islam weniger Gedränge herrschen als früher. Viele Muslime haben ihre Wallfahrt aus Angst vor der Schweinegrippe auf das nächste Jahr verschoben. So meldete die saudische Zeitung Arab News, die heimischen Hadsch-Veranstalter hätten 70 Prozent weniger Kunden aus dem Inland als 2008. Die Verluste der Branche beliefen sich auf "hunderte Millionen Rial". Umgerechnet zwischen 1000 und 5000 Euro muss ein durchschnittlicher Pilger berappen, ein Fünf-Sterne-Hadsch im Luxushotel allerdings kommt wesentlich teurer. Hatten sich in den vergangenen Jahren jeweils 2,5 bis drei Millionen Gläubige auf den Weg gemacht, erwarten die Behörden diesmal nur knapp 1,8 Millionen Teilnehmer.

Trotzdem bleibt es für Sicherheitschef Rihab Massoud eine "monumentale Aufgabe", den reibungslosen Ablauf der Megawallfahrt zu garantieren. Denn nicht nur die Schweinegrippe, auch die Angst vor einem Angriff von Al Qaida, einer tödlichen Massenpanik oder politischen Demonstrationen iranischer Pilger gehören zu möglichen Gefahren, auf die sich nach seinen Worten der saudische Sicherheitsapparat rüsten muss. Der jüngste Selbstmordanschlag von Al Qaida durch einen aus dem Jemen ins Land gekommene Täter liegt drei Monate zurück.

Auch steckt der Führung in Riyadh bis heute der Schock von 1979 in den Knochen. Damals, am 20. November vor fast genau 30 Jahren, besetzten 400 radikale Muslime die große Moschee in Mekka, erschossen wahllos Pilger und konnten erst nach 14-tägigen blutigen Kämpfen überwältigt werden.

So kommen zu den 17.000 Ärzten und Krankenpflegern, die in diesem Jahr für die Gesundheit der Pilger sorgen, zusätzlich mehr als 100.000 Polizisten und Soldaten.