Deutsche Behörden haben am Wochenende in Baden-Württemberg das Haus eines mutmaßlichen Zeugen durchsucht. Dies sagte der ermittelnde Grazer Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher.

In einem Interview mit der Zeitung Österreich behauptet ein gewisser Jürgen V. aus Tengen in Baden-Württemberg, er besitze brisantes Material zum Fall Kampusch. Dieses habe er nach Internetrecherchen von einem angeblichen Freund des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil zugeschickt bekommen.

Jürgen V. will zwei Tage nach der Flucht Kampuschs aus ihrem Kellerverlies im August 2006 im Internet ein Kinderporno-Video von Kampusch und ihrem Entführer Wolfgang Priklopil gesehen haben. Ein Mitwisser müsste demnach gefilmt haben.

Außerdem behauptet der Grafiker, er sei im Besitz von einer Art Vermächtnis des Entführers Priklopil mit Handschriften und Fotos. "Die Fotos belasten Priklopil-Freund Ernst H. schwer als Mitwisser", sagte er im Interview. Am Wochenende wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft inzwischen gegen Ernst H. ermittelt.

Die Glaubwürdigkeit des neuen Zeugen wollte die Staatsanwaltschaft nicht bewerten. "Wir müssen warten, was die deutschen Behörden uns berichten", sagte Mühlbacher der österreichischen Nachrichtenagentur APA.

Kampuschs Anwalt sagte erneut, dass seine Mandantin nur von einem Täter wisse. In einem Video auf seiner Homepage nennt Jürgen V. aber auch Kampuschs Mutter Brigitta Sirny als Mittäterin und behauptet, dass Kampusch mehr oder weniger freiwillig bei ihrem Entführer geblieben sei.

Die Wienerin war 1998 im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg verschleppt worden. Ihr Entführer Priklopil hielt sie mehr als acht Jahre in einem Kellerverlies unter seinem Haus fest. Nachdem der jungen Frau im Sommer 2006 die Flucht gelungen war, beging Priklopil Selbstmord. 

Kampusch holt ihre Schulausbildung nach und war Gastgeberin einer Talk-Show eines privaten österreichischen TV-Senders. In den vergangenen Monaten hat sie sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen.