Bei dem schweren Zugunglück rund 350 Kilometer nördlich von Moskau mit mindestens 26 Toten und 100 Verletzten gehen die Behörden mittlerweile von einen Terroranschlag aus. Am Unfallort  seien Splitter eines Sprengkörpers sowie ein Bombentrichter entdeckt worden, sagte am Samstag der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, nach Angaben der Agentur Interfax. Knapp 20 Menschen werden noch vermisst.

Während der Rettungsarbeiten detonierte am Unglücksort ein weiterer Sprengsatz. Niemand sei verletzt worden, sagte Bahnchef Wladimir Jakunin am Samstag nach Angaben der Agentur Interfax. Der Sprengkörper sei aus ungeklärten Gründen nicht vollständig explodiert. Die Bergungsarbeiten konnten fortgesetzt werden und sind mittlerweile beendet. Die Strecke sei am Sonntagmorgen wieder für den Passagierverkehr freigegeben worden, teilte die russische Staatsbahn auf ihrer Internetseite mit.

Am Freitagabend waren mehrere Waggons des Schnellzugs "Newski Express" auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg bei Bologoje entgleist. Vier der 14 Waggons seien zerstört worden, teilte das Eisenbahnunternehmen mit. Insgesamt hatten sich 661 Passagiere in dem Zug befunden.

Die Ermittler fanden vor Ort einen Bombentrichter von mehr als einem Meter Tiefe. Der Sprengsatz sei vermutlich in einem der Wagen versteckt gewesen, da das Gleisbett kurz vor Durchfahrt des Zuges kontrolliert worden sei, sagte ein Mitarbeiter der Staatsbahn RZD. Das Staatsfernsehen strahlte am Samstag den Notruf des Lokführers aus, der darin von einer "Explosion unter dem Zug" sprach. Er hatte bei einer Geschwindigkeit von etwa 200 Stundenkilometern noch eine Notbremsung eingeleitet.

Der Hintergrund des Attentats ist noch unklar. Zu mutmaßlichen Tätern gibt es keine Hinweise. Die Ermittler bezweifelten die Echtheit eines im Internet aufgetauchten "Bekennerschreiben" einer rechtsradikalen Bewegung.

Es ist das schwerste Attentat im russischen Kernland seit fünf Jahren. Bislang hat niemand die Verantwortung dafür übernommen. Staatsbahn-Chef Wladimir Jakunin sagte am Unglücksort vor Journalisten, der Vorfall weise viele Ähnlichkeiten zu einem Anschlag auf den "Newski Express" auf derselben Strecke im August 2007 auf. Damals wurden 30 Menschen verletzt. Die Ermittler hatten Rebellen aus dem Nordkaukasus verantwortlich gemacht, allerdings wurde die Tat nie vollständig aufgeklärt.

Präsident Dmitrij Medwedjew forderte bei einer Sitzung des Krisenstabs eine schnelle Aufklärung und eine Bestrafung der Täter. Er beauftragte den Inlandsgeheimdienst FSB mit den Ermittlungen.