Vermutlich kennen Sie Hans Michelbach noch nicht so gut. Aber Hans Michelbach, Vorsitzender der CSU-Mittelstandsunion, weiß genau, was Ihnen gefällt. Und wenn nicht Ihnen, dann zumindest Ihren Nachbarn, also: dem Volk. Das Volk muss nämlich in dieser Vorweihnachtszeit um jeden Preis kaufen. Shoppen. Viel Geld ausgeben. Ganz viel!

Denn, kein Witz. An den paar Tagen, an denen die Weihnachtsgeschenke besorgt werden, entscheidet sich: War das gesamte Jahr ein abgrundtiefer Flop – oder wird alles bald wieder so wie vor dem Crash?

Wirtschaftsexperte Michelbach hat nun eine tolle Idee, um gutbetuchte, aber zögerliche Käufer aus dem Internet in deutsche Innenstädte zu locken: Gratis-Parken! In der City! An allen vier Adventswochenenden! Eine Erholungspause also vom lästigen Park & Ride, vom öden Umweltgeschwafel der letzten Zeit: Michelbach weiß schon vor dem Misserfolg von Kopenhagen, wonach der deutsche Konsument in Wahrheit giert.

Von kilometer- und tagelangen Staus in den Innenstädten – gratis parken auch auf den Fahrspuren! – profitieren schließlich auch Schnellgastronomie, Hotelbetriebe, Heizdeckenhersteller, das KFZ-Handwerk sowie Scheidungsanwälte und das Rotlichtgewerbe. Ja das innovative Nach-Vorne-Denken wird unser Heiligstes, das Weihnachtsgeschäft, retten.

Mark Spörrle ist ZEIT-Redakteur und schreibt satirische Geschichten über den <a href="http://www.zeit.de/themen/serie/index?q=irrwitz-der-woche" target="_blank">irrwitzigen Alltag und irrwitzige Nachrichten</a>; <a href="http://www.zeit.de/themen/serie/index?q=irrwitz-der-woche">lesen Sie hier weitere Folgen seiner Kolumne</a>. © Mark Spörrle

Schon jetzt gibt es in allen nennenswerten Orten das Phänomen der ausufernden Weihnachtsmärkte: Wegen der schon am späten Vormittag vor den Fressbuden bedudelt Herumstehenden kommt selbst der eiligste Passant hier nicht vorbei, ohne Slalom zu laufen oder sich von singenden Mütterchen aus dem Erzgebirge umarmen zu lassen; Weihnachtsmarktsoziologen sprechen von der "sanften Umklammerung" des Vorbeikommenden.

Und die Sache ist ausbaufähig: Hörten wir in den letzten Jahren nicht immer das stete Klagelied des Einzelhandels, die zu hohen Temperaturen richteten sich nicht nach dem dringenden Wunsch, Winterkleidung zu verkaufen? Nun, aus unzuverlässiger Quelle wissen wir, dass längst Pläne in Schubladen liegen, psychologisch dagegen vorzugehen: Schneekanonen (nach dem Debakel von Kopenhagen eh egal) sollen für stete Beschneiung sorgen, T-Shirt-Tragen ist bei Strafe verboten und die "Süßer-die-Glocken-nie-klingen" Musik soll auf die dreifache Dezibelzahl angehoben werden. Sodass in der gesamten Innenstadt ohnehin kein Arbeiten mehr möglich ist und sich selbst die Leistungsträger unserer Gesellschaft völlig willenlos über die Weihnachtsmärkte treiben und von (als Mütterchen getarnten) Koberern in teure Geschäfte zerren lassen.

Begleitend bedarf es weiterer Kaufanreize aus der Politik. Denn im boomenden Unterhaltungselektronikbereich geht der Trend zwar zum Viert- oder Fünftflachbildschirm. Aber gerade in den Wohnungen der potenziell größten Interessenten ist dafür oft einfach keine Wand mehr frei! Deshalb wird hinter den Kulissen längst über den "Deckenrabatt" diskutiert: Wer einen Flachbildschirm noch vor Weihnachten erwirbt und ihn zu Hause platzeshalber an der Decke anbringt, bekommt eine Subvention in Höhe von 30 Prozent des Kaufpreises.