Die Fraktionschefin Renate Künast sagte der Berliner Zeitung, die Entscheidung des ZDF-Verwaltungsrats sei ein "Anschlag auf den unabhängigen Fernsehjournalismus". Der Sender sei zur parteipolitischen Beute des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch geworden. Die Grünen hätten deshalb beschlossen, eine Normenkontrollklage vor dem Bundesverfassungsgericht anzustrengen, um den ZDF-Staatsvertrag überprüfen zu lassen. Künast sagte, ihre Fraktion werde dafür bei allen Bundestagsabgeordneten um Unterstützung werben.

Aus der Sicht von Kurt Beck, rheinland-pfälzischer SPD-Ministerpräsident und Vorsitzender des ZDF-Verwaltungsrats, kann der Gang nach Karlsruhe das Problem jedoch nicht lösen. "Die Politik wäre dann zwar draußen, aber über Umwege viel intensiver präsent als je zuvor", sagte Beck dem Magazin Der Spiegel. "Niemand wäre in einem solchen Spiel identifizierbar, und niemand würde die Verantwortung übernehmen."

Nikolaus Brender ist seit zehn Jahren Chefredakteur des ZDF. Der ZDF-Verwaltungsrat hatte am Freitag beschlossen, den im März auslaufenden Vertrag Brenders nicht zu verlängern. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte sich frühzeitig gegen Brender ausgesprochen und dies mit schlechten Quoten des Senders begründet. Die Mehrheit des Verwaltungsrats gilt zudem als unionsnah.

Neben den Grünen äußerten auch Vertreter anderer Parteien scharfe Kritik an der Entscheidung. "Roland Koch hat mit seiner parteipolitischen Testosteron-Attitüde dem Ansehen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland Schaden zugefügt", sagte der medienpolitische Sprecher der FDP im Bundestag, Burkhardt Müller-Sönksen, der Welt am Sonntag. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Olaf Scholz, sagte: "Ministerpräsident Koch ist zu weit gegangen. Wir stehen nun vor einer Legitimationskrise des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, die uns noch lange beschäftigen wird."

Brenders Kollegen zeigten sich ebenfalls empört. Der TV-Moderator Günther Jauch sagte, der ZDF-Chefredakteur sei letzten Endes wegen seiner Unabhängigkeit abgesägt worden. Die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju), Ulrike Maercks-Franzen, forderte eine öffentliche Debatte über die Rahmenbedingungen, die unabhängiger Journalismus braucht, um seinen gesellschaftlichen Auftrag zu erfüllen. Der stellvertretende Vorsitzende der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, Frank Werneke, sagte: "Politik darf sich weder in Personalentscheidungen von Redaktionen noch in journalistische Angelegenheiten einmischen."