Die Jubiläumsfeier eines Nachtclubs in der russischen Stadt Perm hat ein schlimmes Ende genommen: Durch ein Feuer wurden mindestens 102 Menschen getötet. 134 Besucher des Lokals wurden verletzt, wie die Nachrichtenagentur Itar-Tass unter Berufung auf die Behörden berichtete. Die meisten Opfer erlitten Brandwunden und Rauchvergiftungen. Augenzeugen zufolge zogen die Rettungskräfte Dutzende verkohlte Leichen aus dem etwa 500 Quadratmeter großen Gebäude.
 

Vermutungen, es handele sich bei der Katastrophe um einen terroristischen Anschlag, wiesen die russischen Behörden zurück. Vor einer Woche waren bei einem Bombenattentat auf einen Schnellzug zwischen Moskau und St. Petersburg 26 Menschen getötet und mehr als 100 verletzt worden. Tschetschenische Islamisten hatten sich zu dem Anschlag bekannt.

"Hier stellt sich nicht die Frage nach einem Terrorakt. Dies ist ein Verstoß gegen die Brandschutzbestimmungen", sagte der Sprecher der örtlichen Ermittlungsbehörden, Wladimir Markin. Der regionale Sicherheitsminister Igor Orlow teilte mit, ein Feuerwerkskörper habe die Katastrophe gegen 2.15 Uhr Ortszeit ausgelöst. Russische Fernsehsender zeigten Videoaufnahmen, auf denen zu sehen war, wie sprühende Funken einer Zimmerfontäne eine mit Reisig abgehängte Plastikdecke in Brand setzten. Sofort habe alles in Flammen gestanden, sagte Orlow. In Panik hätten die Gäste versucht, ins Freie zu gelangen. Auch dabei habe es viele Verletzte gegeben. Der fensterlose Club habe nach ersten Untersuchungen nur einen Ausgang, sagte ein Ermittler.

Die Polizei nahm zwei der Besitzer des Lokals fest. Einer der Verdächtigen habe in einem ersten Verhör jegliche Schuld an dem Unglück zurückgewiesen, sagte ein Sprecher. In Russland kommen bei verheerenden Bränden immer wieder viele Menschen ums Leben, da oft elementare Sicherheitsregeln missachtet werden.

Am Morgen befanden sich noch 85 Menschen in kritischem Zustand. Die Bevölkerung von Perm wurde aufgerufen, Blut zu spenden. Der russische Regierungschef Wladimir Putin ordnete noch in der Nacht die Bildung einer Ermittlungskommission unter Führung von Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu an. Neben Schoigu flogen auf Anordnung von Präsident Dmitrij Medwedjew auch Innenminister Raschid Nurgalijew und Gesundheitsministerin Tatjana Golikowa nach Perm. "Die Minister sollen vor Ort die Hilfsleistungen koordinieren", sagte Medwedews Sprecherin Natalia Timakowa.

Am Morgen trafen Ärzte und Psychologen aus Moskau ein. Mindestens zehn Menschen mit schweren Brandverletzungen sollten zur Behandlung in die russische Hauptstadt geflogen werden.

Perm liegt 1400 Kilometer östlich von Moskau am Uralgebirge und ist mit 1,2 Millionen Einwohner die sechstgrößte Stadt Russlands. Die Besucher des Nachtclubs feierten dessen achtjähriges Bestehen. Laut Zeugen waren vor allem Angestellte und deren Freunde und Angehörige anwesend.