Nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti, bei dem hunderte Tote befürchtet werden, hat die internationale Hilfe begonnen. Frankreich wird zwei Flugzeuge mit Hilfsgütern und je etwa 60 Rettungskräften an Bord schicken. Eines werde von Marseille aus starten, das andere von Fort de France auf Martinique. Auf Haiti leben derzeit etwa 1400 Franzosen, die große Mehrheit in der Hauptstadt, sagte der Minister für Entwicklungshilfe, Alain Joyandet, dem Sender Europe 1. Er habe noch keine Informationen über französische Opfer.

Schon am Dienstagabend hatten erste US-Flugzeuge mit Hilfstrupps und Spürhunden Richtung Haiti abgehoben. Zusätzlich sollten umgehend 48 Tonnen Hilfsmaterial in den Karibikstaat gelangen, kündigte ein Vertreter der US-Behörde für internationale Entwicklung in Washington an. Auch Kanada, Taiwan und mehrere Länder Lateinamerikas boten ihre Hilfe an.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) hat der Karibikinsel rasche Hilfe zugesagt und einen Krisenstab eingerichtet. "Ich bin bestürzt von dem sich abzeichnenden Ausmaß der Erdbebenkatastrophe. Unser Mitgefühl und unsere ganze Solidarität gilt den Opfern der Katastrophe und ihren Angehörigen", sagte Westerwelle nach einem Telefonat dem deutschen Botschafter in Haiti. Der umgehend eingerichtete Krisenstab solle prüfen, ob Deutsche durch das Erdbeben betroffen sind und was getan werden kann, um in dem Katastrophengebiet zu helfen.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel sagte Haiti eine erste Nahrungsmittelsoforthilfe in Höhe von 500.000 Euro zu. Damit erhöht die Bundesregierung ihre Zusage für humanitäre Sofort- und Nothilfe für Haiti auf 1,5 Millionen Euro.

Das Bundesentwicklungsministerium will damit den Menschen helfen, die unmittelbar von den Auswirkungen und Zerstörungen des Erdbebens betroffen sind. Die Nahrungsmittelversorgung soll über die vor Ort im
Bundesauftrag tätige GTZ erfolgen. Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel stellte ein weiteres Engagement des Bundesentwicklungsministeriums in Aussicht, wenn verlässliche Informationen über die Betroffenenzahlen vorliegen und die Einschätzung der Versorgungslage der notleidenden Bevölkerung dies erforderlich macht.

Auch die EU-Kommission hat eine Nothilfe von drei Millionen Euro zugesagt. Kommissionspräsident José Manuel Barroso sei von der Naturkatastrophe tief betroffen, sagte Chefsprecherin Pia Ahrenkilde-Hansen. Das Geld solle vor allem der notleidenden Bevölkerung des Inselstaats zugute kommen. Es sollten Medikamente, Decken und frisches Wasser bereitgestellt werden. Die Kommission werde sofort sechs Experten in das Krisengebiet schicken.

 

Das Beben der Stärke 7,0 hatte das Land am Dienstagnachmittag (Ortszeit) erschüttert. Das Erdbeben war nach Angaben des Geologischen Instituts der USA das schwerste seit 200 Jahren. Es habe zwei schwere Beben im Jahr 1751 und 1770 gegeben, sagte der Geophysiker Dale Grant. "Aber seit damals hat es kein Erdbeben dieses Ausmaßes gegeben."

Die Interamerikanische Entwicklungsbank (IDB) gab ihrerseits 200.000 Dollar, das entspricht 140.000 Euro, Soforthilfe frei. Mit dem Geld sollten Wasser, Lebensmittel und Medikamente für die Opfer des Erdbebens finanziert werden, erklärte IDB-Präsident Luis Alberto Moreno.

"Ein großes Problem ist die medizinische Versorgung. Selbst in einem der besten Krankenhäuser des Landes sind die Medikamente ausgegangen," sagte der Pressereferent der Diakonie in Deutschland, Rainer Lang, in Stuttgart. Er steht im E-Mail-Kontakt mit dem Büro in der Hauptstadt Port-au-Prince. Außerdem seien auch Krankenhäuser eingestürzt, wodurch die Versorgung erschwert werde.

Das Beben beschädigte auch das Trinite Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen. Derzeit versuchen die Mitarbeiter, die Sicherheit und Pflege in dem Krankenhaus zu gewährleisten. Das Traumazentrum Trinite ist mit seinen 60 Betten eines der wenigen chirurgischen Zentren in Port-au-Prince.

Auf rasche Hilfe der eigenen Behörden können die Menschen in Haiti nicht hoffen. "Es gibt keine medizinische Versorgung für die Bevölkerung und die wird es jetzt natürlich auch nicht geben", sagte Svenja Koch, eine Sprecherin des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Das sei eine große Gefahr, da leichte Verletzungen schnell tödlich enden könnten, etwa durch Blutvergiftungen. Zudem gebe es keinerlei Katastrophenvorsorge, weswegen die Menschen auf sich gestellt seien. Das DRK habe derzeit drei Mitarbeiter im Land, die aber noch keine Informationen geliefert hätten.

Inzwischen hat auch das UN World Feed Programme (WFP) eine Notfalloperation gestartet. Die Organisation will 86 Tonnen Spezialnahrung, sogenannte angereicherte Energiekekse, nach Haiti senden und verteilen. Damit könnten 30.000 Mensche eine Woche lang ernährt werden. 

In Port-au-Prince zögen sich die Elendsviertel die Hügel hoch, zudem gebe es am Meer große auf Müll gebaute Slumgebiete. Sie seien besonders anfällig für Erdbeben. Allerdings sei von Vorteil, dass die Hütten dort nicht massiv seien. "Es gibt nicht so viele feste und große Gebäude, vielleicht ist das für die Leute ein Glück", sagte DRK-Sprecherin Koch weiter.

Auch nach Angaben der Leiterin des Diakonie-Büros in der Hauptstadt Port-au-Prince, Astrid Nissen, sind die Slums an den Berghängen von Port-au-Prince besonders stark betroffen. Die Hänge seien zum Teil abgerutscht, viele Häuser eingestürzt. Die Diakonie Katastrophenhilfe rechnet mit hunderten Toten.

Über der ganzen Stadt liege eine Staubwolke. Auch aus anderen Landesteilen wie dem Südosten des Karibikstaats werden Schäden gemeldet.

Der Online-Kurzinformationsdienst Twitter ermöglicht es jedem, Updates über das Internet oder ein Mobilgerät zu senden. Bei Naturkatastrophen wie Erdbeben kann Twitter unter Umständen als Quelle eine schnelle und authentische Ergänzung zu den Meldungen klassischer Medien darstellen; vor allem aber ermöglicht es einen Überblick in Echtzeit, wie die Netz-Community die neuesten Entwicklungen einschätzt und kommentiert: