Die Pfusch-Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Baukonzerns Bilfinger Berger reißen nicht ab: Nach den Qualitätsmängeln in den Baugruben der Kölner Nord-Süd-Stadtbahn sowie dem Betrugsverdacht für die ICE-Strecke München-Nürnberg haben sich nun auch beim Düsseldorfer U-Bahnbau Unregelmäßigkeiten aufgetan. Es seien gefälschte Protokolle entdeckt worden, sagte der Düsseldorfer Baudezernent Gregor Bonin. Allerdings bestehe keine Gefahr für die Stabilität der Baugruben der Wehrhahn-Linie, weil die Arbeiten noch am Anfang stehen. "Die Düsseldorfer U-Bahn wird absolut sicher gebaut werden", sagte Bonin. Die Stadt erstattete Strafanzeige gegen zwei Mitarbeiter von Bilfinger Berger.

Einen Stahlbügel-Diebstahl im großen Stil wie in Köln vermutete Bonin nicht. Von rund 540 Stahlkörben, die in den Schlitzwänden der Baugruben mit Beton gefüllt werden, bestehe für sechs der Verdacht auf Unregelmäßigkeiten, sagte der Dezernent. Die Schlitzwände stabilisieren die Baugruben. Zudem hätten sich bislang drei von 413 Messprotokollen als gefälscht herausgestellt, zudem habe man für 24 weitere Protokolle eine ähnliche Vermutung.

Auch Bilfinger Berger teilte in Mannheim mit, es hätten sich während der Überprüfung der Vorarbeiten für die Wehrhahnlinie Anzeichen ergeben, dass einige Schlitzwand-Vermessungsprotokolle nicht ordnungsgemäß erstellt wurden. Die Standsicherheit des Bauprojekts sei aber "jederzeit in vollem Umfang gewährleistet". Im Zuge des weiteren Aushubs bei Bedarf könnten zusätzliche Verstärkungen eingebaut werden, hieß es vonseiten des Unternehmens.

Der Düsseldorfer Verkehrsreferent Michael Klöckner sagte, dass die Schlitzwände derzeit noch keine Bedeutung hätten, weil die Gruben noch voller Erde seien. Erst bei der Freilegung im Zuge der Fertigstellung der Bahnhöfe würden die Wände belastet. In einem halben Jahr werde damit begonnen, das Erdreich auszuheben, sagte Klöckner.

Das U-Bahnprojekt Wehrhahnlinie in Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt hat eine Gesamtlänge von 3,4 Kilometern. Nach Fertigstellung soll die neue Verbindung unter anderem die Königsallee, Düsseldorfs bekannteste Einkaufsstraße, unterqueren.

An seit 2007 währenden Bauarbeiten waren Bilfinger Berger zufolge diejenigen Beschäftigten beteiligt, die bereits wegen der Vorfälle in Köln suspendiert wurden. Dort waren in den vergangenen Tagen zahlreiche Hinweise auf gravierende Mängel an den Baustellen der neuen U-Bahnlinie bekannt geworden. Vor knapp einem Jahr war in unmittelbarer Nähe der Station Waidmarkt das historische Kölner Stadtarchiv eingestürzt. Zwei Menschen kamen ums Leben, wertvolle Archivalien wurden verschüttet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen fahrlässiger Tötung gegen unbekannt.