Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe den Rücktritt Käßmanns "mit Respekt und Bedauern aufgenommen", sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Sie habe die Zusammenarbeit mit der Bischöfin "sehr geschätzt". Schon vor dem Rücktritt hatte Merkel gesagt, dass sie Käßmann als "Gesprächspartnerin, als Seelsorgerin und als Theologin" schätze. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel bezeichnete Käßmann als "verlässliche Anwältin für Solidarität und starke Persönlichkeit". Er hoffe, dass sie sich auch weiter zu Wort melden werde.

Käßmann war wegen Alkohol am Steuer in die Schlagzeilen geraten. Sie war mit ihrem Dienstwagen am späten Samstagabend in Hannover mit 1,54 Promille Alkohol im Blut von der Polizei gestoppt worden, nachdem sie eine rote Ampel überfahren hatte. In einer Stellungnahme bedauerte Käßmann die Fahrt zutiefst und erklärte, sich den rechtlichen Konsequenzen zu stellen.

Am Nachmittag bestätigte sie während einer Pressekonferenz, was zuvor in den Medien kolportiert wurde: Sie trat von ihren Ämtern als EKD-Ratsvorsitzende und niedersächsische Landesbischöfin zurück. Vorübergehend dürfte ihr Stellvertreter Nikolaus Schneider ihre Amtsgeschäfte führen. Er ist seit 2003 Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Schneider ist bekannt für sein soziales wie politisches Engagement. Die Neuwahl eines oder einer EKD-Ratsvorsitzenden werde voraussichtlich bei der nächsten Synodentagung vom 5. bis 10. November in Hannover erfolgen, erklärte die Kirche.

Grünen-Chefin Claudia Roth brachte der Entscheidung Käßmanns Respekt entgegen: "Sie beweist ihre große persönliche Integrität". Die Gesellschaft brauche mehr streitbare Menschen wie Käßmann. "Ich wünsche mir sehr, dass ihre Stimme auch in Zukunft weithin hörbar ist." Auch die Linke würdigte Käßmanns Arbeit. "Sie hat stets klare Worte gefunden in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, ob zum Thema Krieg und Frieden oder zur sozialen Gerechtigkeit", sagte der religionspolitische Sprecher des Parteivorstandes, Bodo Ramelow.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat tiefes Bedauern über den Rücktritt ihrer Ratsvorsitzenden Margot Käßmann geäußert. "Die Gradlinigkeit und Klarheit in ihren theologischen, soziopolitischen und gesellschaftlichen Positionen werden der Evangelischen Kirche in Deutschland fehlen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der EKD-Synodenpräsidentin, Katrin Göring-Eckardt, sowie des stellvertretenden EKD-Vorsitzenden, Nikolaus Schneider. "Ihr Rücktritt ist ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus."

Käßmanns Vize Nikolaus Schneider nannte den Rücktritt der Ratsvorsitzenden Margot Käßmann auch einen persönlichen Verlust. "Ich habe gerne mit ihrzusammengearbeitet. Wir hatten eine gute Aufgabenverteilung und ich hätte gerne in genau diesem Gespann und dieser Aufgabenverteilung mit ihr weitergearbeitet", sagte Schneider im WDR. "Ich war auch bereit, die schwierigen Zeiten jetzt mit ihr durchzustehen", sagte der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland. Käßmann habe lange mit sich gerungen, ob sie zurücktreten solle oder nicht. "So wie ich das wahrgenommen habe, ist das in der letzten Nacht und am heutigen Vormittag in ihr gereift."

Käßmanns Landeskirche in Hannover zeigte sich betroffen. "Wir empfinden es als großen Verlust, dass die Landesbischöfin nicht mehr für die Arbeit der Landeskirche zur Verfügung steht." Auch Robert Zollitsch, Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, äußerte Bedauern über Käßmanns Schritt.