Bei den Bundeswehr-Gebirgsjägern sind junge Soldaten mit entwürdigenden Mutproben und Aufnahmeritualen schikaniert worden. Im oberbayerischen Mittenwald mussten diese bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, berichtete ein ehemaliger Rekrut in einer Beschwerde an den Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe . Auch würden Soldaten gezwungen, sich vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden zu entkleiden. Das berichteten die Süddeutsche Zeitung und das ZDF .

"Es wurden etliche Beschuldigte genannt in dieser Sache", sagte ein Sprecher für die Gebirgsjäger. Einige davon gehörten der Bundeswehr inzwischen nicht mehr an. Nach den bisherigen Ermittlungen des Bataillons sei es zu den Ritualen außerhalb der Dienstzeit und außerhalb der Kaserne gekommen. Die Anfang Februar begonnenen Ermittlungen seien aber noch nicht abgeschlossen. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ( CSU ) verlangte im ZDF: "Aufklären, abstellen und Konsequenzen ziehen." Guttenberg hat selbst in Mittenwald seinen Wehrdienst geleistet.

Der Beschwerde zufolge soll es bei den Gebirgsjägern unter den Mannschaftsdienstgraden einen sogenannten "Hochzugkult" geben. Neuankömmlinge würden als "Fux" bezeichnet und müssten in den ersten drei Monaten für andere Aufgaben erledigen wie die Stube reinigen oder den Müll ausleeren. Ansonsten wären willkürliche Zahlungen in die Gemeinschaftskasse zu leisten, schrieb die Süddeutsche Zeitung. Durch verschiedene Aufnahmerituale könnten sie dann in einer internen Hierarchie aufsteigen.

Die Rituale haben sich zwischen Mannschaftsdienstgraden vollzogen.
Sprecher für die Gebirgsjäger

Ein Sprecher der für die Gebirgsjäger zuständigen Einheit bestätigte die Vorfälle: "Die Rituale haben sich zwischen Mannschaftsdienstgraden vollzogen." Ältere Soldaten des Hochgebirgsjägerzuges hätten von jüngeren bestimmte Aufnahmerituale verlangt, "um als echte Gebirgsjäger zu gelten". Vorgesetzte seien aber nicht beteiligt gewesen.

Vorgesetzte hätten dem Zeitungsbericht zufolge dennoch Kenntnis von den Ritualen gehabt, seien aber nicht eingeschritten. Offensichtlich würden diese Rituale schon seit Ende der achtziger Jahre praktiziert. Erste Informationen hätten die Beschwerde des Soldaten bestätigt, schrieb Robbe demnach an den Ausschuss.

Derweil teilte das Verteidigungsministerium mit, zunächst keine Konsequenzen bei der Bundeswehr im oberbayerischen Mittenwald ziehen zu wollen. "Allgemeine Konsequenzen könnte es nur geben, wenn es allgemeine Verfehlungen gibt", sagte ein Ministeriumssprecher. Der Sprecher wies darauf hin, dass die Vorgänge derzeit vor Ort aufgeklärt werden. Fred Siems, der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 233, hat bereits angekündigt,  die Staatsanwaltschaft einschalten zu wollen. "Wir werden eventuelle Straftaten zur Ermittlung an die Staatsanwaltschaft abgeben", sagte Siems. Zunächst werde aber nach dem Disziplinarrecht der Bundeswehr ermittelt. Die Staatsanwaltschaft in München prüft bereits, ob ein Anfangsverdacht für Straftaten vorliegt. "Wir sind im Kontakt mit der Bundeswehr", sagte ein Sprecher der Behörde.

Robbe hingegen hält die Angelegenheit für einen Fall von offenbar größerer Dimension. "Wenn diese Rituale mit Körperverletzung im Zusammenhang stehen und wenn Rekruten, die ja unter dem besonderen Schutz des Dienstherren stehen, misshandelt werden, dann gilt hier null Toleranz", sagte er im ZDF. "Dann muss alles aufgedeckt werden."