Passend zum Beginn der tollen Tage lernen in der Kölner Innenstadt sechzehn muslimische Prediger in ihrer ersten landeskundlichen Einheit etwas zum Thema Karneval. Sie nehmen teil am  berufsbegleitenden Integrationskursprojekt "Imame für Integration". Die Bundesregierung bildet in diesem Kurs islamische Geistliche aus der Türkei aus.

Werden den deutschen Männern an Weiberfastnacht tatsächlich Krawatten, Bärte und Haare abgeschnitten und was sind eigentlich "Faschingskrapfen"? Wann beginnt die christliche Fastenzeit und wodurch unterscheidet sie sich vom muslimischen Ramadan? Nach knapp zwölf Wochen Deutschkurs fällt vielen der türkischen Islamexperten die Diskussion über "die närrischen Tage" zwar noch schwer, aber alle sind mit Feuereifer bei der Sache.

"Viele Jugendliche sind hier in Deutschland aufgewachsen und können über religiöse Themen nicht auf Türkisch sprechen. Aber auch im Gespräch mit Gemeindemitgliedern, die nicht aus der Türkei, sondern etwa aus Marokko oder Tunesien kommen, brauchen wir die deutsche Sprache". So begründen die Imame Mustafa Akkaya und Mehmet Sakizci, warum sie so schnell wie möglich und so perfekt wie möglich deutsch lernen wollen. Dafür besuchen sie an vier Vormittagen pro Woche den Kurs in Köln und fahren danach direkt wieder in ihre Gemeinden, wo sie fast rund um die Uhr als Ansprechpartner für die muslimischen Gemeindemitglieder zur Verfügung stehen.

"Es ist wirklich bewundernswert, wie engagiert die Teilnehmer in diesem Kurs sind", lobt die Kursleiterin Yonca Erman, die als Kind türkischer Eltern in Deutschland aufgewachsen ist und bereits viele Jahre als Deutsch-für-Ausländer-Lehrerin arbeitet. In der Fortbildung sollen die Imame nicht nur die deutsche Sprache lernen, sondern für die vielfältigen Tätigkeiten in den deutschen muslimischen Gemeinden vorbereitet werden. Anders als in der Türkei wenden sich die Gemeindemitglieder hier nämlich nicht nur mit religiösen Fragen, sondern auch mit schulischen oder familiären Problemen an die Gemeindevorsteher.

Sevda Demirbag ist die einzige weibliche Religionsbeauftragte im Kurs. Wie ihre männlichen Kollegen hat Demirbag in der Türkei Theologie studiert und wurde vom türkischen Amt für religiöse Angelegenheiten für vier Jahre nach Deutschland geschickt, um ihren hier lebenden Landsleuten als religiöse Ansprechpartnerin zur Seite zu stehen. Als Frau kann sie zwar nicht Imam werden, predigt aber auch selbst, meist vor Frauen, und übernimmt viele der sozialen Aufgaben in der Gemeinde. Sie reist für ihre Frauenarbeit auch in andere Moscheen der Region, in denen es an weiblichen Mitarbeitern fehlt. Ihre dreijährige Tochter und ihr Mann, der in der Türkei als Lehrer gearbeitet hat, sind mit ihr nach Deutschland gekommen. "Am Anfang hat mein Mann sich etwas einsam gefühlt, aber jetzt haben wir durch die Gemeinde viele Leute kennengelernt", erzählt die 31jährige.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verspricht sich von der gezielten Förderung der Imame eine Öffnung der muslimischen Gemeinden. Die Hoffnung ist, dass die Prediger einerseits durch ihre eigene Integrationsbereitschaft selbst als Vorbild für andere Gemeindemitglieder wirken und andererseits Ansprechpartner im interreligiösen Dialog in Deutschland werden.

"Als religiöse Experten fungieren sie als eine Autorität und als ein natürlicher Ansprechpartner in den Gemeinden", erklärt Angela Kaya, die als Leiterin der Region Deutschland des Goethe-Instituts inhaltlich für das Projekt verantwortlich ist. Für diese Verantwortung sollen sie in den vom Goethe-Institut durchgeführten Veranstaltungen gezielt vorbereitet werden. "Zum Beispiel haben wir in den letzten Tagen im Kurs Moscheeführungen für Nicht-Muslime geübt", berichtet die Lehrerin aus dem Kursalltag. "Wenn im Lehrbuch das Thema Familie ansteht, werden wir auch Beratungsgespräche führen und die entsprechenden sprachlichen Wendungen trainieren." Im Rahmen der Fortbildung sollen die Imame auch mit den Ansprechpartnern in städtischen Einrichtungen wie den  Jugendämtern vor Ort bekannt gemacht werden.