Klares Ergebnis nach zweitägiger Sitzung des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Tutzing am Starnberger See: Nikolaus Schneider, Präses der rheinischen Kirche, soll die Nachfolge von Margot Käßmann übernehmen und bis 2015 den Vorsitz im Rat der EKD übernehmen.

Der 62-jährige Schneider machte in seiner offenen Art keinen Hehl daraus, dass ihn die Herausforderung reizen würde. "Ich sage zu diesem Wunsch, dass er meinem Ego schmeichelt, dass er ehrenhaft ist, aber ich sage ganz deutlich: Das entscheidet die Synode. Und es gebietet der Respekt vor der Synode, dem nicht vorzugreifen." Doch kirchenintern gilt das Tutzinger Signal schon jetzt als die entscheidende Weichenstellung für die EKD-Synode vom 5. bis 11. November in Hannover.

Er habe in den vergangenen Tagen mit vielen Menschen gesprochen und vor allem mit seiner Frau, "weil unsere Lebensplanung eine völlig andere war", sagt Schneider. Aber: "Ich bin offen für die Situation, für das, was auf mich zukommt." Und er will sich nicht drücken, wenn er gebraucht wird: "Also diese Offenheit ist da. Es ist wirklich nicht so, dass ich sage: Nein, auf gar keinen Fall." Eine endgültige Entscheidung über den Wunsch der EKD-Ratsmitglieder wolle er sich aber bis zur Synode, dem Kirchenparlament, vorbehalten.

In den bevorstehenden acht Monaten als Interims-Ratsvorsitzer will Nico Schneider - wie er kirchenintern oft genannt wird - Käßmanns Arbeit fortsetzen, aber mit eigenen Akzenten. Dabei sieht er drei große Themenfelder: eine gerechte Friedenspolitik, "das gilt für Afghanistan und anderswo auf der Welt", dann die Fortführung innerkirchlicher Reformen und vor allem die Frage einer solidarischen und gerechten Gesellschaft mit einer entsprechenden Sozial- und Wirtschaftsethik.

"Ich will es nicht verbergen: Mein Herz schlägt ganz besonders für dieses dritte Themenfeld", sagt Schneider. "Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die humane Qualität einer Gesellschaft daran bemisst, wie sie gerade mit ihren schwächsten Gliedern umgeht - und daher werde ich mich in diesen Fragen auch deutlich zu Wort melden."

Käßmann war am vergangenen Mittwoch nach einer Alkoholfahrt als EKD-Ratsvorsitzende und hannoversche Bischöfin zurückgetreten. Schneider, ihr bisheriger Vize, rückte automatisch erst einmal in das Amt nach.

Nach den Statuten muss die EKD-Synode aber im November einen regulären Nachfolger für Käßmann wählen. "Ich persönlich würde mich sehr freuen, wenn die Zusammenarbeit mit Nikolaus Schneider über den Herbst hinausreichte", betonte Katrin Göring-Eckardt, Präses der EKD-Synode, nach dem Tutzinger Treffen in der gemeinsamen Pressekonferenz mit Schneider.

Auch Göring-Eckardt betonte mehrfach in diplomatischen Worten, das Tutzinger Meinungsbild sei noch keine offizielle Wahlempfehlung. Die Entscheidung zur Käßmann-Nachfolge liege einzig und allein bei der Synode. Dennoch bekam Schneider von Göring-Eckardt schon einmal ein hervorragendes Zwischenzeugnis mit auf den Weg. "Mit seiner hohen sozialethischen Kompetenz wird er die unverwechselbare Stimme unserer Kirche in der Gesellschaft zur Geltung bringen - ob es um die Fragen von Krieg und Frieden, den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft oder andere theologische Fragen geht", sagte Göring-Eckardt.

"Nikolaus Schneider steht für eine Kirche, die nahe bei den Menschen ist und ihre Sprache spricht, für eine Kirche, die sensibel ist für Gefährdete und Schwache, für eine Kirche, die Menschen in ihrer Gebrochenheit annimmt", lobte Göring-Eckardt den Wunsch-Nachfolger für Käßmann. "Er ist ein Mensch mit außerordentlich großer Herzenswärme." Auch wenn die letzte Entscheidung bei der Synode liegt, hat deren Präses Göring-Eckardt mit dieser Hommage schon einmal dicke Pflöcke eingeschlagen.