Dank der unermüdlichen Arbeit der Datensammler des Statistischen Bundesamtes wissen wir, dass der Bierabsatz in Deutschland rückläufig ist (nur noch 100 Millionen Hektoliter), wie viel Stunden in der Woche der Durchschnittsbürger mit kulturellen Aktivitäten verbringt (19 Stunden, davon 13 mit Fernsehen) und dass der deutsche Mann mit 33 Jahren vor den Traualtar tritt.

Seit 2005 wird in Deutschland eine neue Zahl erhoben, nämlich die der Personen mit sogenanntem Migrationshintergrund. Zwar hat das Statistische Bundesamt diesen lustigen Begriff nicht erfunden, aber parallel zu den entsprechenden Erhebungen hat er Eingang im allgemeinen Sprachgebrauch gefunden.

Als Menschen mit Migrationshintergrund werden in der Bevölkerungsstatistik alle Einwohner Deutschlands geführt, "die nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland zugezogen sind, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer/-innen und alle in Deutschland Geborene mit zumindest einem zugezogenen oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil." – Verstanden?

Jedenfalls weisen demnach die aktuell veröffentlichten Zahlen 19 Prozent der Bevölkerung als Personen mit Migrationshintergrund aus. Wohlgemerkt: von diesen 15,6 Millionen Menschen sind 8,3 Millionen deutsche Staatsbürger und nur die verbleibenden 7,3 Millionen Menschen Ausländer im juristischen Sinne.

Genau darin aber liegt der verborgene Sinn einer solchen Begriffsbildung: Es bedarf einer derartigen Definition, um in der Statistik alle die Menschen, die längst Deutsche geworden sind, noch irgendwie gesondert zu erfassen. Nicht zufällig wurde die Frage nach dem Migrationshintergrund in den Mikrozensus aufgenommen, nachdem die Einbürgerungszahlen mit der Reform des Staatsbürgerschaftsrechts im Jahr 2000 anstiegen.

Sonst würden ja die eingebürgerten Migranten einfach in der Gruppe der Deutschen aufgehen – gerade das will man wohl nicht so ohne Weiteres stehen lassen. Der vermeintlich Fremde muss weiter als solcher markiert werden.