Kurz vor dem Urteil im Prozess gegen die mutmaßlichen vier Sauerland-Terroristen haben die angeklagten deutschen Konvertiten Fritz Gelowicz und Daniel Schneider ihre Abkehr vom Terrorismus bekräftigt. Gelowicz versicherte vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf, er werde sich künftig "in keinster Weise" mehr an terroristischen Aktivitäten beteiligen. Schneider sagte in seinem Schlusswort: "Ich hätte anders handeln können und müssen."

"Ich hätte anders handeln können und müssen."
Der Angeklagte Daniel Schneider

Die vier angeklagten Islamisten im Alter zwischen 24 und 31 Jahren hatten vor Gericht gestanden, im Auftrag der Terrorgruppe Islamische Dschihad-Union (IJU) Autobombenanschläge auf US-Bürger und US-Einrichtungen in Deutschland vorbereitet zu haben. Das Urteil soll kommende Woche Donnerstag verkündet werden.

Auch der Deutsch-Türke Atilla Selek bezeichnet es in seinem letzten Wort vor dem Strafsenat als "Fehler", bei den Anschlagsplänen der Sauerland-Gruppe mitgewirkt zu haben. Dieses Fehlverhalten "tut mir leid", fügte er hinzu. Der 24-jährige Selek soll die Zünder für die Sprengsätze beschafft haben. Der vierte Angeklagte Adem Yilmaz verzichtete hingegen auf ein Schlusswort. Der 31-jährige Türke hatte die Attentatsvorbereitungen zuvor in dem Verfahren wie seine Mitangeklagten zugegeben.

Trotz ihrer umfassenden Geständnisse während der zehnmonatigen Hauptverhandlung müssen die Angeklagten mit teils langjährigen Haftstrafen rechnen. Die Bundesanwaltschaft beantragte Freiheitsstrafen zwischen 13 und fünfeinhalb Jahren. Die Verteidiger forderten dagegen deutlich niedrigere Strafen, unter anderem wegen der Geständnisse der Angeklagten.

Gelowicz sagte am letzten Prozesstag vor dem Urteil, er werde nicht zu einer Terrororganisation zurückkehren. "Dieser Entschluss steht fest." Kurz vor dem Schlusswort von Gelowicz war dessen Ehefrau Medienberichten zufolge mit zwei weiteren Verdächtigen festgenommen worden. Sie soll die IJU mit Geld unterstützt haben. Gelowicz sagte dazu, er sei "geschockt und überrascht".

Der aus dem Saarland stammende Schneider versicherte, er übernehme die Verantwortung für sein Handeln und werde die Strafe des Gerichts akzeptieren. Der 24-Jährige bezeichnete es als sein festes Ziel, das Gefängnis nach Verbüßung der erwarteten Strafe mit einem abgeschlossenen Studium zu verlassen. Dafür bitte er den Düsseldorfer Strafsenat um "Unterstützung".

Neben den Anschlagsvorbereitungen legt die Bundeswaltschaft Schneider als Einzigem der Angeklagten einen Mordversuch zur Last: Er soll bei der Festnahme der Gruppe am 4. September 2007 im sauerländischen Medebach-Oberschlehdorn einem Polizisten die Dienstwaffe entrissen und daraus einen Schuss abgefeuert haben. Durch das Projektil wurde niemand verletzt. Schneider sagte dazu vor Gericht, er habe "gefährlich und falsch gehandelt". Er bedauere dies sehr und entschuldige sich.