Der mysteriöse Tod des Fußballers Lutz Eigendorf, der 1979 aus der DDR geflüchtet war, könnte die Berliner Staatsanwaltschaft erneut beschäftigen. Der Direktor der Berliner Stasiopfer-Gedenkstätte, Hubertus Knabe, beantragte die Wiederaufnahme der Mord-Ermittlungen.

Eigendorf starb 1983 bei einem Auto-Unfall bei Braunschweig. Immer wieder war darüber spekuliert worden, ob die Stasi dabei ihre Hände im Spiel hatte.

Knabe habe den Antrag gestellt, nachdem am Dienstag ein früherer Inoffizieller Mitarbeiter (IM) der Stasi vor dem Düsseldorfer Landgericht von einem Mordauftrag berichtet hatte, sagte Knabe. Der IM habe den Auftrag vom DDR-Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zwar angenommen, aber nicht ausgeführt, sagte der Historiker. Knabe bat die Berliner Staatsanwaltschaft auch um eine Prüfung auf Exhumierung der Leiche des Fußballers. In MfS-Unterlagen habe es Hinweise auf eine Vergiftung gegeben.

"Wenn sich neue Gesichtspunkte ergeben, wird das Verfahren wieder aufgenommen", sagte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Mord verjähre nicht. Die Anklagebehörde hatte den Fall über Jahre geprüft, zuletzt waren die Ermittlungen 2004 aus Mangel an Beweisen eingestellt worden.

Lutz Eigendorf spielte in der DDR für den BFC Dynamo Berlin, den Lieblingsclub von Stasi-Chef Erich Mielke. Vier Jahre nach Eigendorfs "Republikflucht" krachte das Auto des 26-Jährigen gegen einen Baum bei Braunschweig. Der Spieler hatte 2,2 Promille Alkohol im Blut. Zeugen hatten allerdings beteuert, dass er nicht so viel getrunken hatte, als er ins Auto stieg.

Der mehrfach vorbestrafte Ex-Stasi-IM war in Düsseldorf wegen schweren Raubes zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der 65-Jährige erzählte in dem Prozess auch, dass er Eigendorf liquidieren sollte. Die Stasi-Verpflichtungserklärung habe er nur unterschrieben, um seine Frau aus der DDR in die Bundesrepublik nachzuholen, sagte der frühere DDR-Boxmeister.

Bis zu 50 hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter sollen auf Eigendorf angesetzt gewesen sein, nachdem dieser sich in den Westen abgesetzt hatte. Das hatte der Buch- und Filmautor Heribert Schwan recherchiert. Er hatte in Stasi-Akten Hinweise auf ein als Unfall getarntes Mord-Komplott entdeckt. Eigendorf hatte nach einem Spiel einen Stadtbummel in Gießen zur Flucht genutzt. Er wurde dann beim 1. FC Kaiserslautern angestellt. Mielke selbst soll den Mord angeordnet haben.

Schwan, der Autor des Buches Tod dem Verräter, fand auch Hinweise auf den heute 65 Jahre alten Ex-IM. Demnach soll dieser aus einem DDR-Gefängnis in die Bundesrepublik entlassen worden sein, um Eigendorfs Spuren aufzunehmen. Ermittlungen zu dem früheren Spitzel kamen aber nicht voran, da seine Stasi-Akten für die Jahre 1980 bis 1983 abhanden gekommen waren.