Rettungskräfte im Norden Chinas versuchen weiter verzweifelt, mehr als 150 in einem Kohlebergwerk eingeschlossene Grubenarbeiter zu retten. Unterstützt werden sie dabei von zwei Hochleistungspumpen, die pro Stunde 450 Kubikmeter Wasser aus dem überfluteten Schacht pumpen. Nach Behördenangaben wird die Rettungsaktion noch mindestens bis zum Abend dauern. Leichter Regen erschwere die Arbeiten.

Der Schacht in der Stadt Linfen in der Provinz Shanxi war überschwemmt worden. Ersten Untersuchungen zufolge hatte sich in leerstehenden Bergwerken in der Nähe Wasser angesammelt, das in das neue Kohlebergwerk lief. Nach Angaben von Behördenvertretern arbeiteten 261 Menschen in dem Schacht, 108 von ihnen konnten entkommen oder wurden kurz nach dem Unglück gerettet.

Nach Angaben des staatlichen Fernsehens wurden zwischen 130.000 und 140.000 Kubikmeter Wasser in das Bergwerk gespült. Das entspricht 52 großen Schwimmhallenbecken. Präsident Hu Jintao und Regierungschef Wen Jiabao wiesen die Behörden an, alles für die Rettung der Eingeschlossenen zu tun.

Vizeregierungschef Zhang Dejiang machte sich am Ort ein Bild von den Rettungsarbeiten, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Bei den meisten Opfern handle es sich um Wanderarbeiter, sagte ein Retter.

Die Kohlebergwerke in China gelten als die gefährlichsten der Welt. Vor allem kleinere Zechen halten sich aus Kostengründen häufig nicht an die Sicherheitsvorschriften. Im vergangenen Jahr starben in chinesischen Kohlebergwerken mehr als 2600 Menschen. Anfang März starben 32 Arbeiter, als Grundwasser in einen Schacht in einer Kohlemine in Shanxis Nachbarregion, Innere Mongolei, strömte. Die Dunkelziffer der Opfer von Grubenunglücken dürfte allerdings sehr hoch sein.

In den letzten Jahren wurden zahlreiche kleinere Bergwerke von den Aufsichtsbehörden geschlossen, und die Anstrengungen zur Durchsetzung einer erhöhten Betriebssicherheit sind verstärkt worden. Das Land deckt mehr als zwei Drittel seines Energiebedarfs durch Kohle.