Der Vorsitzende der irischen Bischofskonferenz, Kardinal Sean Brady, hat einen Rücktritt im Zusammenhang mit der Vertuschung von Kindesmissbrauch abgelehnt. Die katholische Kirche hatte zuvor in einer Mitteilung bestätigt, dass Brady 1975, als er noch Priester war, an zwei Zusammenkünften teilnahm, bei denen Missbrauchsopfer Schweigegelübde unterzeichneten.

Die Zusammenkünfte fanden im Rahmen innerkirchlicher Ermittlungen gegen den Priester Brendan Smyth statt, der über vier Jahrzehnte lang mutmaßlich mehrere hundert Kinder missbrauchte. Smyth wurde in den neunziger Jahren inhaftiert und starb im Gefängnis. Bei den beiden Treffen, an denen Brady 1975 teilnahm, verpflichteten sich zwei mutmaßliche Opfer zum Stillschweigen.

Brady sagte, es sei damals nicht seine Aufgabe gewesen, die Polizei zu informieren. Als Priester und Teilzeitsekretär des inzwischen verstorbenen Bischofs von Kilmore, Francis McKiernan, habe er den Auftrag gehabt, Smyth im Rahmen der innerkirchlichen Ermittlungen zu überführen. "Es wurde nichts vertuscht", sagte der Kardinal dem Rundfunksender RTE. Er habe damals alle Informationen "sofort" an Bischof McKiernan weitergeleitet, der dann für Smyths Ausscheiden aus dem Kirchendienst gesorgt habe. Er glaube nicht, dass sein damaliges Verhalten ein "Rücktrittsgrund" sei, sagte Brady.

Die jüngsten Enthüllungen hätten Kardinal Brady jede Glaubwürdigkeit genommen, sagte die Vorsitzende der Opferorganisation One in Four, Maeve Lewis, am Sonntag. "Wäre Brendan Smyth in den siebziger Jahren verurteilt worden, wäre vermutlich Hunderten Kindern der sexuelle Missbrauch erspart geblieben", sagte Lewis. "Kardinal Brady ... muss zurücktreten."

Der Leiter der irischen Sektion von Amnesty International, Colm O'Gorman, bezeichnete es als "obszön, dass Opfer von Brendan Smyth Schweigegelübde unterschreiben mussten". Brady hätte diese Verbrechen der Polizei melden müssen, sagte O'Gorman, der selbst ein Missbrauchsopfer war.