Amerika blickt entsetzt auf einen Fall, der die Gewaltbereitschaft rechtsradikaler Terrorgruppen im eigenen Land offen legt. In Michigan nahm die Polizei neun Mitglieder einer militanten christlichen Bürgermiliz namens Hutaree fest. Den Ermittlungen zufolge hatten sie geplant, einen Polizisten zu ermorden und dann einen Sprengstoffanschlag auf dessen Beerdigung zu verüben, um einen Aufstand gegen die Bundesregierung auszulösen. In ihren Augen sind Polizisten "Fußsoldaten" der Regierung. Und die stehe in Diensten des Antichrist.

Die Hutaree sind kein Einzelfall. Das Ministerium für Heimatschutz warnt seit einem Jahr vor einer wachsenden Gefahr durch rechtsradikale Gruppen. Die Wirtschaftskrise und die Wahl eines schwarzen Präsidenten gäben ihnen Auftrieb, weil beides die subjektive Sorge vieler verstärke, dass ihre persönlichen Freiheiten und die Souveränität der USA bedroht seien.

Mark Potok, ein Experte für militante Milizen am Southern Poverty Law Center, sagte der New York Times, es wachse die Zahl militanter Gruppen, die Worte wie "Patrioten" oder "Christen" im Namen führen; die die Vorherrschaft der Weißen propagieren und Hass gegen andere Rassen und Immigranten propagieren.

Auf Protestveranstaltungen gegen die Reformpolitik Präsident Obamas tauchen immer häufiger Poster auf, die indirekt oder offen zu Gewalt aufrufen. Auf Ihnen sind Schusswaffen abgebildet oder das Thomas Jefferson zugeschriebene Zitat: "Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten und Tyrannen gedüngt werden." Nach Verabschiedung der Gesundheitsreform hatten Abgeordnete, die dafür stimmten, Todesdrohungen erhalten. Unbekannte warfen Steine in die Fenster ihrer Büros und Wohnungen.

Die Ermittler im Hutaree-Fall betonen jedoch, die Anschlagspläne seien nach ihren Erkenntnissen keine Reaktion auf Obamas Politik, sondern Ausdruck eines sektenartigen Glaubens. Im Zentrum steht die Familie Stone, die in einem Wohncontainer auf dem Land etwa 120 Kilometer südwestlich von Detroit wohnt.

Der ältere Sohn wurde nach der fünften Klasse aus der Schule genommen, der jüngere hat nie eine Schule besucht. Nachbarn sagen, Militärzelte seien ein häufiger Anblick auf dem Grundstück, oft seien Gewehrschüsse zu hören. Auf dem Land sei es aber nichts Besonderes, einer Miliz anzugehören.

Erste Hinweise auf die Gewaltbereitschaft der Hutaree waren 2008 im Internet aufgetaucht. Seit Monaten hatten die Stones Schusswaffen und Sprengstoff gesammelt und sich mit Gleichgesinnten zu militärischen Übungen verabredet. Die Söhne studierten im Internet Anleitungen zum Bombenbau für Anschläge auf US Truppen im Irak.

Der Zugriff sei dringlich geworden, da der Familienvater David Stone einen Polizisten ausgewählt habe, den er ermorden wollte, und eine weitere militärische Übung für den geplanten Anschlag auf dessen Beerdigung angesetzt hatte. Diese Übung sollte laut Washington Post am 24. April stattfinden. Spaziergänger, die ihnen dabei in die Quere gekommen wären, wollten die Hutaree erschießen, damit ihre Pläne nicht auffliegen.

Bürgermilizen sind ein verbreitetes Phänomen in den USA. Nur ein sehr kleiner Teil davon richtet sich gegen die Bundesregierung oder gegen Mitbürger. Die große Mehrheit organisiert sich, um dort für Ordnung zu sorgen, wo der Staat nach ihrer Ansicht versagt oder nichts zu suchen hat.

Als 2007 und 2008 die illegale Einwanderung in die USA zum öffentlichen Thema wurde, bekamen die "Minuteman" Zulauf: Bürgermilizen, die in Urlaub und Freizeit an der Grenze zu Mexiko patrouillierten und den Grenzschutz alarmierten, wenn sie Verdächtige entdeckten.

(Erschienen im Tagesspiegel)