Unter der kostenlosen Telefonnummer 0800-1201000 können sich ab heute Opfer sexuellen Missbrauchs in Einrichtungen der Katholischen Kirche direkt an die Kirche wenden. Die Telefonberatung ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 13.00 bis 20.30 Uhr besetzt. Den Anrufern stehen als Gesprächspartner insgesamt 13 Psychotherapeuten, Psychologen und Sozialarbeiter der Lebensberatung Trier zur Verfügung, einer Einrichtung in Trägerschaft des Bistums. Die Berater seien geschult im Umgang mit Traumapatienten und Menschen, die sexuelle Gewalt erfahren haben, hieß es aus dem Bistum. Das Projekt läuft zunächst bis Ende 2011.

Die Hotline soll ausdrücklich als "Türöffner" dienen, sagte der Trierer Bischof und Missbrauchsbeauftragte der Katholischen Kirche Stephan Ackermann bei der Vorstellung des Angebots. Wer also beispielsweise lieber mit einem nichtkirchlichen Therapeuten sprechen wolle, den vermittelten die Berater weiter. "Wir wollen mit diesem Angebot die Opfer ermutigen, sich bei uns zu melden, gleich ob es sich um verjährte oder um aktuelle Fälle handelt." Anrufer können anonym bleiben, wenn sie das wünschen.

Die Gespräche sind ein seelsorgerisches Angebot, mit dem ermittelt werden soll, welche weitere Hilfe der Anrufer braucht. Angst, dass Fälle direkt an die Behörden gegeben werden, muss niemand haben. Oberste Devise bei den Gesprächen sei, "dass der Anrufer immer die Kontrolle über das weitere Vorgehen hat", sagte der Leiter der Beratungsdienste beim Bistum Trier, Andreas Zimmer. Die Empfehlung einer Strafanzeige sei aber denkbar, je nach Fall. Wenn es der Anrufer wünsche, stellt die Hotline einen Kontakt her zu der Diözese, in der der Missbrauch verübt wurde. Man gehe davon aus, dass Erstgespräche eine halbe bis anderthalb Stunden dauern werden.

Wer außerhalb der Sprechzeiten anrufe, könne eine Rückrufbitte auf einem Anrufbeantworter hinterlassen. Neben der Telefonberatung wird über die Website www.hilfe-missbrauch.de außerdem eine Online-Beratung angeboten. Hilfesuchende können nach vorheriger Registrierung an die Beratung schreiben und sollen innerhalb von zwei Arbeitstagen Antwort bekommen.

Dass gerade die katholische Kirche, in der die Taten passierten, die Hotline anbietet, sieht Ackermann nicht als Problem an. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass manche Opfer bewusst in den Raum der Kirche hinein das sagen wollten, was ihnen angetan worden ist." Die Berater seien nicht kirchlich instruiert, sondern entschieden aus ihrer "fachlich-sachlichen Kompetenz".

Der Verein ehemaliger Heimkinder kritisierte die Telefonhotline scharf. Der zweite Vorsitzende Heinz-Jürgen Overfeld sagte Deutschlandradio Kultur: "Das Vertrauen, was wir Heimkinder gegenüber der katholischen und evangelischen Kirche haben, ist gleich Null. Es wird keiner anrufen. Die Leute, die eine Vermittlung für eine Therapie brauchen, die wenden sich an uns." Er forderte finanzielle Hilfen für ehemalige Heimkinder.