Nach dem doppelten Terroranschlag in der Moskauer Metro mit 39 Toten fahnden die russischen Ermittler nach den Helfern der beiden Selbstmordattentäterinnen. Gesucht werden zwei Frauen und ein Mann, die die Täterinnen mit den Sprenggürteln am Montagmorgen im Berufsverkehr in die U-Bahn begleitet haben sollen. Das berichteten Medien in Moskau. Hinter der Tat werden islamistische Untergrundkämpfer aus dem Konfliktgebiet Nordkaukasus vermutet. In der Millionenmetropole Moskau wird an diesem Dienstag der Opfer gedacht. Mehr als 70 Menschen wurden in der Nacht noch in Krankenhäusern behandelt.

Dieser schwerste Terrorakt in Moskau seit sechs Jahren löste international Entsetzen aus. US-Präsident Barack Obama telefonierte am Abend mit Kremlchef Dmitrij Medwedjew, um ihm persönlich sein Beileid auszusprechen. Obamas Büro in Washington erklärte, er habe in dem Telefonat die Bereitschaft der USA bekundet, "mit Russland zusammenzuarbeiten, um die Verantwortlichen für diese Taten zur Rechenschaft zu ziehen". Nach Angaben des Kreml wollen die beiden Präsidenten auf ihrem Treffen am 8. April in Prag über den gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus beraten. Geplant ist die Unterzeichnung eines neuen atomaren Abrüstungsabkommens.

Die Außenminister der G-8-Staaten verurteilten die Selbstmordanschläge. Der Terrorismus müsse international bekämpft werden, sagte Kanadas Außenminister Lawrence Cannon in einer Erklärung. Den G-8-Staaten gehören die sieben größten Industriestaaten sowie Russland an.

Medwedjew legte in der Moskauer Metro am späten Abend Blumen nieder und kündigte an, die Terroristen finden und töten zu lassen. Er äußerte sich wütend, die Täter seien keine Menschen, sondern "Bestien". "Wir werden sie alle finden und zerstören", sagte er. Die Sprengsätze in Moskau waren am Montag auf der roten Metro-Linie innerhalb von weniger als einer Stunde hochgegangen. Zur ersten Explosion kam es an der Lubjanka, dem Platz und Sitz des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB. Von dort werden die Operationen russischer Sicherheitskräfte gegen islamistische Untergrundkämpfer im Nordkaukasus gesteuert.

Es war der erste Anschlag auf die Metro seit sechs Jahren. Zuletzt kamen 2004 bei einem U-Bahn-Attentat 41 Menschen ums Leben, rund 250 weitere wurden verletzt. Diesmal soll auch die seither ausgeweitete Video-Überwachung den Ermittlern dabei helfen, die mindestens drei Helfer zu finden.

Medwedjew ordnete für das ganze Land verschärfte Sicherheitsmaßnahmen an. Auf allen Transportstrecken und an den Flughäfen wurden die Einsatzkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Die für einen unabhängigen Gottesstaat im Nordkaukasus kämpfenden Islamisten hatten zuletzt immer wieder gedroht, den Heiligen Krieg, den Dschihad, ins russische Kernland zu tragen. Im November vergangenen Jahres kamen bei einem Anschlag auf den Schnellzug "Newski Express" zwischen Moskau und St. Petersburg 26 Menschen ums Leben. Tage später bekannten sich islamistische Extremisten zu der Tat und kündigten einen "Sabotagekrieg" gegen die "blutige Besatzungspolitik" Moskaus im Kaukasus an.