Die Leitung der in die Schlagzeilen geratenen Odenwaldschule im südhessischen Heppenheim zieht personelle Konsequenzen aus dem Missbrauchsskandal. Der Vorstand werde zur außerordentlichen Mitgliederversammlung an diesem Samstag (27.) mehrheitlich zurücktreten, sagte dessen Vorsitzende Sabine Richter-Ellermann. Die Schulleitung folge mit diesem Schritt dem Ruf vor allem von Opfern nach einer Veränderung an der Spitze.

In der renommierten Schule waren Jahrzehnte zurückliegende Missbrauchsfälle bekannt geworden. Die Schule nennt 33 betroffene Ex-Schüler. Acht ehemalige Lehrer werden beschuldigt.

Von dem aus sieben Personen bestehenden Gremium blieben nur die Schulleiterin Margarita Kaufmann und der Geschäftsführer Meto Salijevic im Amt. "Für diese beiden gibt es keinen Grund für einen Rücktritt", sagte Richter-Ellermann. Der frühere Leiter des Elite-Internats, Gerold Becker, hatte Ende der vergangenen Woche sexuelle Verfehlungen zugegeben. Er bat um Entschuldigung. Becker war von 1969 bis 1985 an der Schule.

Der Missbrauch war vor fast zweieinhalb Wochen bekannt geworden. Bisher haben sich 33 ehemalige Schüler als Opfer von Übergriffen in den Jahren 1966 bis 1991 gemeldet. Diese Zahl nannte die Odenwaldschule vor anderthalb Wochen, neue Informationen gab es dazu nicht.