Wer hat Sie darauf gebracht, Volkskammer-Abgeordneter zu werden?

Da ich Vorsitzender meiner Partei war, schien das von vornherein klar. Schließlich sollte ich ja auch im Wahlkampf aktiv werden.

Gregor Gysi auf einem SED-Parteitag 1989. In diesem Jahr wurde er Vorsitzender der eben gestürzten Partei. Er verblieb in diesem Amt bis 1992. Heute ist er Chef der Linken-Fraktion im Bundestag.

Wie prägte die bevorstehende Abwicklung der DDR die Konflikte und Debatten?

Die Volkskammerabgeordneten hatten unterschiedliche Bindungen und Beziehungen zur DDR. Die einen wollten sie so schnell wie möglich loswerden. Andere hatten damit Zeit. Das prägte selbstverständlich auch Konflikte und Debatten.

Die Wahl zur Volkskammer 1990 wurden sieben Wochen vorher beschlossen. Wie erlebten Sie den Wahlkampf?

Als anstrengend und tief gespalten. Entweder wurde ich vollständig abgelehnt oder zu sehr angefleht und irgendwie geliebt.

Mit der Wahl Lothar de Maiziéres zum Ministerpräsidenten endete die 40 Jahre währende SED-Herrschaft. Wie empfanden Sie diesen Moment? Und wie war die Stimmung um Plenum?

An die Stimmung unmittelbar nach seiner Wahl habe ich keine Erinnerung mehr, aber an die Stimmung nach seiner Regierungserklärung. Diese war bemerkenswert und ich musste ihm damals sagen, dass er in Deutschland ziemlich einsam werden wird.

Mit 20 Jahren Abstand: Gibt es etwas aus diesem halben Jahr, was der deutsche Parlamentarismus heute gebrauchen könnte?

Selbstverständlich. Fragen wurden tatsächlich diskutiert. Es war weniger vorbestimmt, es war unmittelbarer. Das Laienhafte machte die Volkskammer reizvoll.