Auf Island ist in der Nacht zu Sonntag ein seit fast 200 Jahren schlafender Vulkan ausgebrochen – die Polizei rief für den Süden des Landes den Notstand aus. Am Montag haben sich die Eruptionen des Gletschervulkans noch verstärkt.

Die Polizei sagte, sie habe ihre Überwachung des Gebiets im Süden des Inselstaats intensiviert. Mehrere Straßen seien vorsichtshalber gesperrt worden. Der staatliche Rundfunksender RUV berichtete, leichte Erdbeben hätten die Gegend am Morgen erschüttert. Zudem verlängere sich ein 800 Meter langer Spalt in Richtung des Myrdal-Gletschers.

Der Vulkan war am frühen Sonntagmorgen zwischen zwei Gletschern ausgebrochen, dem Eyjafjallajökull und dem Myrdalsjökull. Das Gebiet ist bei Wanderern beliebt. Die Behörden brachten rund 600 Bewohner der Region um den Gletscher Eyjafjalla in Sicherheit, als der Vulkan Lava zu spucken begann und eine Rauchsäule von etwa einem Kilometer Höhe ausstieß.

Der Flugverkehr von und nach Island wurde vorübergehend gestoppt. Rund 1300 Reisende saßen deshalb auf der Nordatlantik-Insel fest oder konnten sie nicht erreichen. Verletzt wurde niemand, doch riefen die Behörden wegen der Gefahr von Überschwemmungen durch schmelzende Gletscher für den Süden den Notstand aus.

Wie sich herausstellte, lag das Zentrum des Vulkanausbruchs jedoch nicht direkt unter dem Gletscher, sondern jenseits der Eisgrenze am benachbarten Ausflugsgebiet Fimmvörduhals. Die Experten stuften die Wahrscheinlichkeit einer Überschwemmung deshalb als weitaus geringer ein als im Jahr 1996. Damals führte der Ausbruch des Vulkans Bardabungu unter dem Vatnajökull dazu, dass Massen des Gletschereises schmolzen. Dieser Ausbruch sei zudem "nicht zu vergleichen mit dem letzten von Hekla vor zehn Jahren", sagte ein Sprecher der nationalen Einsatzzentrale in Reykjavik. Hekla, der bekannteste und aktivste von 30 noch aktiven Vulkanen auf Island, war zuletzt im Jahr 2000 heftig ausgebrochen.

Auf Island kommt es immer wieder zu Vulkanausbrüchen, zuletzt im Jahr 2004. Die meisten von ihnen gehen glimpflich ab, weil sie sich in dünn besiedelten Gegenden ereignen. Der 1821 zuletzt ausgebrochene Vulkan am Eyjafjalla-Gletscher zeigte Wissenschaftlern zufolge noch am Samstag kaum Vorzeichen für eine Eruption. Es handele sich um einen kleinen Ausbruch, der aber Jahre dauern könne, sagte ein Geophysiker.