Das Orkantief "Xynthia" hat eine Schneise der Verwüstung durch Westeuropa gezogen und mindestens 54 Menschen getötet. In Frankreich kamen 45 Menschen vor allem bei Überschwemmungen an der Atlantikküste ums Leben. In Deutschland starben mindestens sechs Menschen, meist durch umstürzende Bäume. Hier wüteten die bis zu 166 Kilometer starken Böen am heftigsten in Hessen, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

Im südhessischen Biblis hatte der Wind einen Zweijährigen in einen Fluss geweht, er konnte nur noch tot geborgen werden. Im Schwarzwald kam ein 74-jähriger Autofahrer ums Leben, bei Wiesbaden ein 69 Jahre alter Wanderer. In Nordrhein-Westfalen starben eine Joggerin und eine Autofahrerin. In Niedersachsen starb ein 46 Jahre alter Mann, weil er mit seinem Auto von der Fahrbahn geweht wurde und gegen einen Baum prallte. Der Sturm richtete zudem Millionenschäden an.

Nachdem in Nordrhein-Westfalen am Sonntag der Schienenverkehr komplett gestanden hatte, fuhren am Montagmorgen wieder die ersten Züge. Auch im Saarland und in Rheinland-Pfalz prüfte die Bahn in der Nacht noch, auf welchen Strecken ein problemloser Betrieb möglich ist. Die Betreiber hatten den regionalen Verkehr in beiden Ländern aus Sicherheitsgründen gestoppt.

Der Fernzugverkehr normalisiert sich nach Angaben der Deutschen Bahn. Bis zum frühen Nachmittag sollen Fernzüge wieder planmäßig fahren, sagte ein Bahnsprecher. Dafür mussten viele Züge, die in der Sturmnacht gestoppt worden waren, erst an die für ihre Linie vorgesehenen Standorte im Netz gebracht werden. Im Regionalverkehr gab es in besonders von Sturmschäden betroffenen Gebieten in Nordrhein-Westfalen und Hessen noch einzelne gesperrte Strecken. In der Nacht waren Hunderte Bahn-Beschäftigte im Einsatz, um blockierte Gleisanlagen frei zu räumen.

Im osthessischen Hünfeld sind zwei Schulen geschlossen worden. Wie die Polizei in Fulda mitteilte, deckten die Böen einen Teil des Schuldachs einer Haupt- und Realschule ab. Die umherfliegenden Trümmerteile beschädigten noch ein angrenzendes Gymnasium. Sie schlugen dort in Fenster und Wände ein.

Während die Einsatzkräfte der Polizei, der Feuerwehren und der Technischen Hilfswerke im südwestlichen Teil Deutschlands die Sturmschäden aufräumten, galt eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes am Morgen noch für das östliche Bayern und den Süden Sachsens.

In den anderen Bundesländern hat "Xynthia" mittlerweile deutlich an Kraft verloren. Nach Mitternacht gingen bei den Polizeistationen keine größeren Schadensmeldungen oder Notrufe mehr ein, sagten die Sprecher übereinstimmend. In der Nacht hatten die Einsatzkräfte lediglich mit herabstürzenden Dachziegeln, umgestürzten Bäumen und regionalen Stromausfällen zu tun. Weitere schwere Schäden oder verletzte Menschen meldeten die Polizeidienststellen nicht. Der Deutsche Wetterdienst hob die Unwetterwarnung für Mitteldeutschland am frühen Montagmorgen wieder auf.

"Die Aufräumarbeiten sind im Gange", sagte ein Sprecher des Lagezentrums beim rheinland-pfälzischen Innenministerium in Mainz. Sie würden noch Tage dauern. "Hier ist mittlerweile alles in Ordnung", sagte ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken am Montagmorgen.

Die Sperrung der Autobahn 3 bei Frankfurt/Main ist mittlerweile wieder aufgehoben. Im gesamten Bundesgebiet sind Polizeiangaben zufolge mittlerweile nur noch kleinere Straßen gesperrt, Autobahnen und Bundesstraßen sind in fast allen Regionen geräumt und freigegeben. Im Westerwald sind jedoch bis auf weiteres die B54 und die B414 gesperrt.

Die Europäische Union ist zur Hilfe für die Opfer bereit. Die EU-Kommission werde Hilfe für die am meisten betroffenen Länder prüfen, sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Er bekundete seine Anteilnahme und seine Solidarität mit den Opfern.

EU-Parlamentspräsident Jerzy Buzek erklärte, es seien Zahlungen aus dem EU-Solidaritätsfonds möglich, mit denen ein Teil der Wiederaufbaumaßnahmen finanziert werden könnte. Das Parlament werde über derartige Anträge auf Hilfe rasch entscheiden. Seine Solidarität gelte allen Opfern, vor allem aber jenen in den besonders schwer getroffenen Teilen Frankreichs.