Papst Benedikt XVI. ist tief betroffen und bestürzt über den Missbrauchsskandal an katholischen Einrichtungen in Deutschland. Das berichtete der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, der den Pontifex im Vatikan über die Flut früherer Missbrauchsfälle informiert hatte. Auf seinen Bericht habe der Papst "sehr bewegt" reagiert, sagte Zollitsch.

Der Papst unterstütze voll und ganz die von der Bischofskonferenz vorangebrachten Maßnahmen zur Aufklärung früherer Fälle und zur Verhinderung künftigen Missbrauchs, sagte Zollitsch vor der Presse. Zudem habe Benedikt die Bischöfe ausdrücklich ermuntert, auf diesem Weg fortzufahren. Dazu gehöre auch die Ernennung des Trierer Bischofs Stephan Ackermann zum Sonderbeauftragten für Fälle sexuellen Missbrauchs.

Kindesmissbrauch sei allerdings nicht nur ein Problem der katholischen Kirche. "Wir nehmen unsere Verantwortung sehr deutlich wahr", fügte Zollitsch nach der 45-Minuten-Audienz an. Doch gebe es in Deutschland Fälle weit über die Kirche hinaus, die aber eine besondere moralische Verantwortung habe.

Ziel müsse es jetzt sein, "die Wunden der Vergangenheit zu heilen und mögliche neue Wunden zu vermeiden". Zollitsch bat die Opfer erneut um Vergebung. "Wir wollen die Wahrheit aufdecken, die Opfer haben ein Recht darauf." Zur Wiedergutmachung erklärte der Erzbischof, die Bischöfe würden beraten, ob weitere Hilfen für Opfer möglich seien. In der Aufarbeitung habe man das Vertrauen der Bundeskanzlerin und der Familienministerin. Man sei auch dabei, mit Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ein Gespräch zu vereinbaren. Sie hatte die Kirche scharf kritisiert.

Die wachsende Kritik am Zölibat im Zusammenhang mit dem Missbrauchskandal wies Zollitsch zurück. Mit dem Zölibat, der Ehelosigkeit der Priester, hätten die Missbrauchsfälle nach Ansicht aller Fachleute nichts zu tun, sagte er. Dies bekräftigte auch der Papst selbst und verteidigte die Ehelosigkeit von Priestern. Der "heilige Zölibat" sei ein "kostbares Geschenk" und "Zeichen der vollständigen Hingabe" an Gott, sagte er. Die Kirche müsse an der Besonderheit des Priesteramtes festhalten und sich nicht den Moden der säkularisierten Gesellschaft unterwerfen.

Der Termin zwischen Zollitsch und dem deutschen Papst galt ursprünglich einem routinemäßigen Bericht über die jüngste Versammlung der Bischöfe in Freiburg. Doch dann rückte der sich ausweitende Skandal um Missbrauch an Minderjährigen vor allem in katholischen Einrichtungen Deutschlands in den Brennpunkt. Die deutschen Bischöfe haben den staatlichen Behörden vorbehaltlose Unterstützung bei der Verfolgung solcher Fälle zugesichert. Sie kündigten außerdem an, ihre Leitlinien für den Umgang mit Missbrauch in der Kirche klarer fassen.