Die USA stehen vor einer der größten Umweltkatastrophen ihrer Geschichte: In der Nacht meldeten die örtlichen Behörden, dass der Ölteppich nahe der Mündung des Mississippi an Land geschwappt sei. Wo das Öl sonst noch an Land gespült werde, sei jedoch noch nicht abzusehen, sagte ein Sprecher der Küstenwache. "Es ist sehr schwierig in der Nacht, vor allem wegen des großen Gebiets, das betroffen sein könnte." Sobald das erste Tageslicht da sei, solle ein Kontrollflug die notwendigen Informationen bringen.

Wind hatte das Öl am Donnerstag schneller als zunächst erwartet vor das Wildschutzgebiet Pass-A-Loutre am Mississippi-Delta getrieben. Letzten Angaben zufolge hatte der Ölfilm eine Ausdehnung von etwa 70 mal 170 Kilometern. Hoffnungen, einen Teil des Öls auf dem Meer abbrennen und so unschädlich machen zu können, hatten sich wegen schlechten Wetters und hoher Wellen zerschlagen.

An der Küste des Bundesstaates Louisiana bereiteten sich die Einsatzkräfte derweil weiter auf das Eintreffen des riesigen Ölteppichs vor. Um die Küsten zu schützen, haben sie eine große Zahl von Öl-Barrieren ausgelegt. Die Online-Ausgabe der britischen Zeitung Times berichtete jedoch, dass die Wellen momentan so hoch seien, dass sie die Barrieren überspülten.

Präsident Barack Obama will die Heimatschutzministerin Janet Napolitano, den Innenminister Ken Salazar und die Chefin der Umweltbehörde (EPA), Lisa Jackson, in das Notstandsgebiet schicken. Sie sollen sich über die getroffenen Maßnahmen informieren. Die US-Regierung hatte das Unglück bereits als Katastrophe "von nationaler Bedeutung" eingestuft. Damit können Ressourcen aus anderen Regionen abgezogen und besser koordiniert werden. 

Die Minister sollen in Louisiana auch weiter Druck auf den Ölkonzern BP ausüben. Dessen Bohrinsel Deepwater Horizon war in der vergangenen Woche im Golf von Mexiko gesunken und hatte damit die Katastrophe ausgelöst. Seitdem fließt aus dem Bohrloch in 1500 Metern Tiefe Öl ungehindert ins Meer. Schätzungen der US-Behörde für Meeresforschung (NOAA) zufolge sind es inzwischen täglich rund 700 Tonnen. "Ich bin erschrocken. Das ist eine äußerst große Sache", sagte Behördenvertreter David Kennedy.

Wenn es weiter in diesen Mengen sprudelt, dauert es keine zwei Monate, bis das Ausmaß der Exxon-Valdez-Katastrophe von 1989 erreicht ist. Das Tankerunglück löste die bisher schlimmste Ölpest in der US-Geschichte aus.

BP hat zugesichert, "alles zu tun, um die Auswirkungen dieses Ereignisses zu minimieren". Dem britischen Ölmulti zufolge ist bereits der größte Einsatz aller Zeiten zur Eindämmung eines Ölteppichs im Gange. Bislang konnten die Lecks jedoch auch mit Unterwasser-Robotern nicht abgedichtet werden. Ein hochrangiger Mitarbeiter des US-Innenministeriums sagte, es könne noch 90 Tage dauern, bis ein Entlastungsventil an der Bohrinsel angebracht sei. Bis dahin könnte aus den insgesamt drei Lecks weiterhin Öl ungehindert austreten. Obama hatte bereits angekündigt, dass BP die Kosten für den Kampf gegen und die Beseitigung der drohenden Ölpest übernehmen müsse.