"Pilotenfehler", so hieß es bereits wenige Stunden nach dem Absturz der polnischen Präsidentenmaschine am Samstagmorgen. Die Berichterstattung zeichnet mittlerweile ein stimmiges Bild: Drei vergebliche Landeversuche bei praktisch blickdichtem Nebel, der vierte endete in der Katastrophe von Smolensk. Das passt gut zusammen, ist aber vorläufig.

"Never trust the first day news", zitiert der Flugsicherheitsexperte Jan-Arwed Richter vom Hamburger Flugunfallbüro Jacdec (Jet Airliner Crash Data Evaluation Centre) eine alte Weisheit unter Unfallanalytikern, vertraue niemals den Nachrichten vom Unfalltag. Richter führt eine weltweite Statistik über Flugzeugabstürze, ihre Opfer und die Gründe. Er habe gelernt, "Schnellschüssen" zu misstrauen. Dass "48 Stunden nach einem Crash schon alle Hintergründe geklärt sind, habe ich seit Bestehen von Jacdec noch nicht erlebt."

Unfallermittlungen ziehen sich gewöhnlich lange hin, mehrere Jahre sind keine Ausnahme, auch in Fällen, die ganz klar erscheinen. "Russischen Ermittlern gelingt es gewöhnlich, die Untersuchungen binnen eines Jahres abzuschließen, was im Vergleich zu anderen Ländern relativ schnell ist", sagt der niederländische Luftsicherheitsexperte Harro Ranter, der Gründer des Aviation Safety Network. Er ist besonders auf die vollständige Abschrift des Stimmrekorders gespannt: "Sie zeichnen alle Geräusche in der Kanzel auf, normalerweise auf getrennten Kanälen den Kapitän, den Kopiloten, den Bordingenieur und den Funkverkehr mit den Fluglotsen."

Die Ermittler müssen zweierlei konstruieren:
1. Das Material: Ist ein Flugzeug gefährlich, nur weil es sowjetisch ist?
2. Die Psyche: Standen die Piloten unter Druck von außen – oder machten sie ihn sich selbst?